Materialforschung
Gut geschmiert mit „dickem Wasser“

Bei der Suche nach umweltfreundlichen Alternativen zum Schmiermittel Öl sind deutsche Forscher bei einem zumindest in unseren Breiten nicht gerade seltenen Stoff fündig geworden: Wasser.
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DüsseldorfDie Metallbearbeitung spielt in der Industrie eine große Rolle. Beim Bohren, Fräsen, Drehen oder Schleifen werden Kühlschmierstoffe eingesetzt, um Werkstücke und Werkzeuge beim Bearbeiten vor Überhitzung und Verschleiß zu schützen. Basis für die derzeit üblichen Schmierstoffe ist Mineralöl. Doch das hat Nachteile: Fossile Mineralöle entstammen endlichen Ressourcen, transportieren relativ wenig Wärme vom Werkstück ab, sind gesundheitsschädlich und können zudem in Brand geraten.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising haben sich auf die Suche nach einer geeigneteren Alternative gemacht. Und sind bei einem zumindest in unseren Breiten nicht gerade seltenen Stoff fündig geworden: Wasser.

„Wasser schmiert auch nicht schlechter als Öl“, so IVV-Forscher Michael Menner. Zumindest dann, wenn es durch die richtigen Zutaten dickflüssiger gemacht wird. Die Freisinger Forscher machten sich daran, nachwachsende Rohstoffe, etwa Zellulosen, Stärken oder bakterielle Polysaccharide zu testen und für den Einsatz als Schmieradditiv zu verbessern.

Die Umstellung auf den neuen Schmierstoff ist unkompliziert

Damit aus der Idee ein markttaugliches Produkt wurde, kamen weitere Partner ins Boot: Das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der Uni Braunschweig sowie die Carl Bechem GmbH aus Hagen – ein Schmierstoffhersteller. Gemeinsam gelang es ihnen, die am IVV entwickelte Basisflüssigkeit so zu verbessern, dass sie mechanischen Belastungen und hohen Temperaturen standhält, die Maschinen vor Korrosion schützt und dabei ebenso umwelt- wie hautverträglich ist.

Zugleich weist das „dicke Wasser“ auch technologische Vorteile auf. So vermindert es den Verschleiß und sorgt dafür, dass sich die bearbeiteten Teile einfacher reinigen lassen. Das senkt die Kosten und verbessert die Wirtschaftlichkeit der gesamten Produktion.

„Die Umstellung auf den neuen Schmierstoff ist für die Unternehmen unkompliziert“, sagt Menners Kollege Peter Eisner. „Im Prinzip können nach einer gründlichen Reinigung dieselben Kreislaufsysteme an den Bearbeitungsmaschinen genutzt werden.“ Zum Einsatz kommen könnte der Schmierstoff etwa in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, im Maschinenbau oder in der Medizintechnik.

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

Kommentare zu " Materialforschung: Gut geschmiert mit „dickem Wasser“"

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  • Na, brüllt hier noch niemand rum, das in Afrika die Kinder hungern, welchen Vorteil das Militär davon hat oder das diese Sache niemand braucht?

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