Materialforschung
Riesen-Computertomograph soll Container und Autos durchleuchten

Bisher haben Computertomographen vor allem in der Medizin eine Rolle gespielt. Jetzt wollen Fraunhofer-Forscher die Technik auch bei der Untersuchung großer Bauteile einsetzen. Eine entsprechende Anlage ist jetzt in Fürth in Betrieb gegangen.
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HB FÜRTH. Sprunggelenk verletzt oder Ellenbogen gebrochen? Ab in die Röhre! Die Computertomographie (CT) gehört heute zu medizinischen Standardverfahren. Künftig soll die Röntgentechnik, die einzigartige 3-D-Aufnahmen vom Inneren eines Objekts ermöglicht, aber auch verstärkt außerhalb von Klinik oder Arztpraxis zum Einsatz kommen – und das in durchaus großem Maßstab: Mit einem Linearbeschleuniger wollen Fraunhofer- Forscher Autos, Flugzeugturbinen oder Schiffscontainer inspizieren, ohne sie öffnen oder zerstören zu müssen. Am Donnerstag wurde die europaweit einzigartige Testhalle in Fürth offiziell eröffnet.

„Wir wollen ein Verfahren entwickeln, um Container im Hafen zukünftig im Minutentakt zu 100 Prozent zu tomographieren“, gibt der Standortverantwortliche Randolf Hanke das Ziel vor. Auf diese Weise könnte Drogenhändlern, Waffenschmugglern und Menschenhändlern das Handwerk gelegt werden. Die USA wollen beispielsweise durchsetzen, dass weltweit alle Container mit dem Ziel Vereinigte Staaten noch im Heimathafen durchleuchtet werden. Würde dies umgesetzt, der Bedarf an dem neuen Verfahren wäre enorm.

Bislang mussten größere Gegenstände stets auseinandergebaut werden, um sie per Röntgenstrahlung auf ihren Inhalt oder auf Materialfehler untersuchen zu können. Im kleinen Maßstab ist dieses Verfahren in der Industrie gang und gäbe. „Jede einzelne Felge im Auto wurde mit Röntgen geprüft“, erklärt Frank Sukowski, der beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) für die Entwicklung der Strahlungsquelle verantwortlich ist.

Im Zentrum der Forschungsarbeit steht für Sukowski und seine Kollegen die Sicherheit von Menschenleben – etwa bei Flugzeugturbinen, die in Fürth bald auf kleinste Risse untersucht werden sollen. Die Forscher kontrollieren zudem, ob mit den inwendigen Lüftungslöchern alles in Ordnung ist. Schon kleinste Unebenheiten sorgen sonst für Verwirbelungen – an einer Stelle, an der der Wind mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit durchpfeift.

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