Mathematik
Rechnung mit Unbekannten

Bei machen sorgt sie für Glücksgefühle, bei vielen jedoch für Unbehagen: die Mathematik. Jetzt haben Deutschlands Mathematiker womöglich die entscheidende Unbekannte ausgemacht, die Mathe-Glück in Mathe-Leid verwandelt.

DÜSSELDORF. Im Gießener Mathematikum, dem „ersten mathematischen Mitmachmuseum der Welt“, gibt es zwei T-Shirts zu kaufen, die eines der ungelösten Rätsel der Mathematik verdeutlichen: „In Mathe war ich immer schlecht“, steht auf dem einen, „Mathe macht glücklich“, auf dem anderen. Wehklagen auf der einen, Glücksgefühle auf der anderen Seite – diese Gleichung geht nicht auf. Jetzt haben Deutschlands Mathematiker womöglich die entscheidende Unbekannte ausgemacht, die Mathe-Glück in Mathe-Leid verwandelt: den Schulunterricht. Im Mathematik-Jahr 2008 wollen sie ihn reformieren.

Mathematik gilt als „Angstfach“. Insgesamt haben deutsche Schüler in der aktuellen Pisa-Studie zwar besser abgeschnitten als 2003, in Mathematik aber stagnierten ihre Leistungen. Immer wieder beklagen Unternehmen, dass Schulabgänger die Grundrechenarten nicht beherrschen; Bildungspolitiker bedauern den Mangel an Mathematik-Studenten. Das Fach wird, so scheint es, mit zunehmendem Alter der Schüler unbeliebter. „Irgendwann in der Mittelstufe verlieren wir fast alle Mädchen und viele Jungs“, sagt der Gießener Professor und Direktor des Mathematikums, Albrecht Beutelspacher. Das ist die eine Wahrheit.

Die andere formuliert der Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), Günter Ziegler: „Mathematik ist ein Leuchtende-Augen-Fach. Mathe-Unterricht kann Spaß machen.“ Ziegler und seine Kollegen wollen im kommenden Jahr den Menschen die Angst vor der Mathematik nehmen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Initiative Wissenschaft im Dialog haben 2008 zum „Jahr der Mathematik“ erklärt, Ministerium und Telekom-Stiftung stellen dafür rund fünf Mill. Euro bereit.

Die Initiative soll zeigen, wie wichtig Mathematik für Fortschritt und Wohlstand ist: Algorithmen optimieren Bahnfahrpläne und steuern Navigationssysteme in Autos, Hochrechnungen prognostizieren Wahlergebnisse, Simulationsverfahren ermöglichen Klimaprognosen und Crashtests, Kodierverfahren machen das Internet sicher. Deutschland ist dabei eine der führenden Forschungsnationen: Die Wissenschaftler sind renommiert, die Institute gut vernetzt. Während in den letzten Jahren viele geisteswissenschaftliche Professuren eingespart wurden, blieb die Mathematik halbwegs verschont. Im Rahmen der Exzellenzinitiative wurden sogar neue Einrichtungen wie das Bonner Hausdorff Center for Mathematics aus der Taufe gehoben.

Das Wissenschaftsjahr soll vor allem junge Menschen für Mathematik begeistern. Schulen und Hochschulen haben gemeinsame Projekte, Wettbewerbe wie die Mathe-Olympiade sollen gestärkt werden. Die Gesellschaft für Didaktik der Mathematik plant ein Handbuch „mathemagischer Momente“, in dem sie Beispiele gelungener Lehre präsentiert.

Einiges soll anders laufen als im Jahr der Geisteswissenschaften 2007, das als wenig nachhaltig kritisiert wird. „Ich will, dass die Aktionen das Jahr überleben und dass 2009 wieder Mathematikjahr ist – ohne dass das Ministerium dafür wieder Geld auf den Tisch legt“, sagt Ziegler.

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