Forschung + Innovation
Mazowiecki betont besondere Verantwortung von Historikern

Der frühere polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki hat auf dem Deutschen Historikertag in Kiel die Pflicht der Geschichtswissenschaftler betont, zur Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit beizutragen.

dpa WARSCHAU. Der frühere polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki hat auf dem Deutschen Historikertag in Kiel die Pflicht der Geschichtswissenschaftler betont, zur Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit beizutragen.

Der geschichtliche Ballast, insbesondere der Zweite Weltkrieg, mache immer noch die polnisch- deutschen Beziehungen zu einem schwierigen Thema, sagte er laut seinem vorab der dpa zur Verfügung gestellten Redemanuskript am Donnerstagabend. Er sehe mit Sorge auf die schärferen Töne zwischen beiden Ländern. „Auf beiden Seiten müssen wir uns klar darüber sein, dass die polnisch-deutsche Versöhnung schwieriger zu bauen ist als zu zerstören“, betonte er.

In seiner historischen Rede über den „Durchbruch 1989 und die Konsequenzen“ ging Mazowiecki nicht auf das jüngst Schlagzeilen machende Thema Reparationen oder Entschädigungsforderungen näher ein.

Rückblickend auf den historischen politischen Umbruch im Jahre 1989 und seine Folgen verteidigte der langjährige Bürgerrechtler und erste demokratisch gewählte Regierungschef Polens seine Innenpolitik des „Schlussstrichs“, die auf eine „Hexenjagd“ auf die Kommunisten verzichtet hatte. Er sei zudem überzeugt, dass der „Herbst der Völker“ 1989 auf eine nicht voraussehbare Zukunft verschoben worden wäre, wäre der Reformprozess in Polen gestört worden.

Im Rückblick auf seine Gespräche mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und den Fall der Mauer gab Mazowiecki die Probleme zu, die der Gedanke einer deutscher Wiedervereinigung vielen Polen bereitet habe. Dennoch habe Polen einen Beitrag zur internationalen Akzeptanz der deutschen Wiedervereinigung geleistet. Zugleich erinnerte er an das Ringen um polnische Mitsprache beim 2+4-Vertrag und das besondere polnische Interesse an einer endgültigen Festschreibung der Oder-Neiße-Grenze. Dies sei auch im Interesse Deutschlands und Europas gewesen, um in der Zukunft gute Beziehungen mit dem vereinten Deutschland aufzubauen. Hinsichtlich der Nato- und EU-Mitgliedschaft lobte Mazowiecki Deutschland als „unseren Anwalt im Beitrittsprozess“.

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