Medizin
Die Prothese greift wie eine normale Hand

Der Verlust einer Hand hat sowohl körperlich als auch psychisch schwere Auswirkungen. Ein schottisches Unternehmen hat nun eine künstliche Hand entwickelt, deren Finger einzeln von Motoren bewegt werden. Die Prothese nähert sich somit Stück für Stück einem wirklichen Ersatz an.

BERLIN. Der Verlust einer Hand bedeutet für Betroffene nicht nur eine erhebliche körperliche Einschränkung, auch der psychologische Druck durch die Amputation ist groß. Moderne, so genannte myoelektrische Handprothesen können zwar einen Teil dieses Defizits ausgleichen, verfügen jedoch in der Regel nur über ein einziges Greifmuster und werden von vielen Trägern als plump und zu schwer empfunden. Prothesen-Hersteller und Wissenschaftler arbeiten deshalb an neuartigen künstlichen Händen, die durch komplexere Greifmuster mehr Möglichkeiten bieten und zugleich natürlicher aussehen.

Das schottische Prothetik-Unternehmen Touch Bionics beispielsweise hat jetzt eine künstliche Hand auf den Markt gebracht, die einzeln motorisierte Finger besitzt und dadurch eine Reihe verschiedener Greifmuster bietet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen, die Gegenstände wie eine Pinzette zwischen Daumen und Zeige- und Mittelfinger greifen, imitiert die i-Limb-Hand den adaptiven Griff nach menschlichem Vorbild, bei dem sich alle fünf Finger der Form des Gegenstands anpassen und diesen umschließen. „Dadurch ist nicht nur eine geringere Greifkraft nötig“, sagt Phil Newman, Marketingleiter bei Touch Bionics. Die natürliche Bewegung komme auch dem ästhetischen Empfinden der Patienten entgegen.

Gesteuert wird die i-Limb-Hand über zwei sogenannte myoelektrische Sensoren. Auf dem Armstumpf angebracht, registrieren sie die elektrische Ströme, die beim Anspannen des Beuge- beziehungsweise Streckmuskels auf der Haut entstehen. Aus diese Weise kann der Prothesenträger ein Signal zum Öffnen oder Schließen der Hand erzeugen. Stützt er dabei einzelne Finger ab, bleiben diese in der ursprünglichen Position stehen. So lässt sich die i-Limb Hand zu verschiedenen Greifmustern formen. Ein Beispiel: Wird der Zeigefinger abgestützt und die Hand anschließend geschlossen, kann mit dem ausgestreckten Zeigefinger eine Tastatur bedient werden.

Michael Schäfer vom Traunsteiner Orthopädietechnik-Unternehmen Pohlig hat die neue Hand bereits einem Patienten angepasst und hält sie für alltagstauglich. Um Aussagen über die Belastbarkeit der aus Hartplastik gefertigten Hand zu treffen, seien jedoch Langzeittests nötig. Selbst extrem robuste Kunsthände – wie die aus Aluminium gefertigte und als Goldstandard unter den myoelektrischen Kunsthänden geltende Prothese von Otto Bock – stoßen, je nach Aktivität des Trägers, mitunter an ihre Grenzen. Zum Vergleich mit herkömmlichen Prothesen fehlen außerdem noch weitere Parameter wie Greifgeschwindigkeit oder Lautstärke. Damit die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, muss Touch Bionics allerdings noch einen höheren klinischen Nutzen der mehrere tausend Euro teureren Hand im Vergleich zu herkömmlichen Prothesen nachweisen. „Ende 2007 wird eine unabhängige Studie beginnen, in der die neue Prothese mit bestehenden Technologien verglichen wird“, sagt der Marketingleiter des schottischen Prothetik-Unternehmens.

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