Medizin

Neue Hoffnung für Haarlose

Geheimratsecken oder eine Glatze sind für viele Menschen ein Albtraum. Für sie gibt es neue Hoffnung: US-Wissenschaftler haben ein Verfahren entwickelt, um auf kahler Haut wieder Haare wachsen zu lassen.
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In Deutschland sind mehrere Millionen Menschen von Haarausfall betroffen. Quelle: dpa

In Deutschland sind mehrere Millionen Menschen von Haarausfall betroffen.

(Foto: dpa)

BerlinAuf kahler menschlicher Haut haben Forscher im Labor Haare sprießen lassen. Sie verpflanzten dazu Zellen, die neue Haarfollikel entstehen lassen - ein Prozess, der im Körper normalerweise nur vor der Geburt oder nach Verletzungen abläuft.

Die Methode könne eines Tages vor allem für Patienten infrage kommen, die nicht genug Haare für eine konventionelle Haartransplantation hätten, teilten die Forscher des Columbia University Medical Center (CUMC) mit. Allein in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen von Haarausfall betroffen.

Zehn Mythen über Haarausfall
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Männer mit Glatze sind besonders potent

Falsch – auch wenn das die betroffenen Männer gerne behaupten. Richtig ist: Erblich bedingt gibt es Männer, deren Haarwurzeln empfindlicher auf das Sexualhormon Testosteron reagieren und deren Haare deshalb kürzere Wachstumsphasen haben – die Folge: Haarausfall. Das Hormon wird aber direkt im Haarfollikel gebildet. Männer mit Glatze haben keinen höheren Testosteronspiegel im Blut als andere.

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Baseballkappen fördern den Haarausfall

Falsch. Haare brauchen kein Licht, um zu wachsen. Baseballkappen oder Hüte zerstören höchsten die Frisur – das sieht doof aus, mehr aber auch nicht.

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Männer mit Glatze strahlen Macht aus

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Albert Mannes führte 2012 an der Wharton Business School eine Studie durch und kam zu dem Ergebnis: die Glatze steht für Größe, Achtung und Macht. Kahlköpfige wirkten dominanter und kräftiger. Die Probanden schätzen sie durchschnittlich 2,5 cm größer ein als sie waren. Andere Studien belegen allerdings das Gegenteil.

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Haarausfall ist harmlos

Das stimmt so nicht. Richtig ist, dass jeder Mensch täglich zwischen 80 und 120 Haare verliert. Das gehört zum normalen Wachstumszyklus. Wem die Haare aber büschelweise ausgehen oder wer kreisrunde, haarlose Stellen auf seinem Kopf entdeckt, sollte das ernst nehmen. Haarausfall kann ein Hinweis auf einseitige Ernährung sein, aber auch auf ernsthafte Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder eine Störung des Immunsystems.

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Gegen Haarausfall kann man nichts machen

Falsch. Sogar dem erblich bedingten Haarausfall, der Hautarzt spricht von androgenetischer Alopezie, kann man vorbeugen. Mit den Wirkstoffen Minoxidil und Finasterid lässt sich der Haarausfall verlangsamen oder stoppen. Statt dünnen Flaums können wieder kräftigere Haar nachwachsen. Wie gut das funktioniert, hängt vom Einzelfall ab. Sind die Haare weg, hilft wie Jürgen Klopp beweist eine Haarwurzeltransplantation.

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Haarausfall ist ein reines Männerproblem

Nein. Auch Frauen leiden unter Haarausfall – der erblich bedingte Haarausfall ist zwar etwas seltener als bei Männern, dafür kommt es bei Frauen in der Pubertät oder nach der Geburt eines Kindes öfter zu Haarausfall. Damen sind wohl einfach geschickter im Kaschieren des Problems.

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Häufiges Haare schneiden macht die Haare kräftiger

Leider nein. Wer Haare verliert, wird den Prozess nicht dadurch stoppen können, die verbliebenen Haare möglichst häufig zu stutzen. Der Haarwuchs wird in den Haarwurzeln bestimmt, daher muss, wer etwas gegen den Haarverlust tun will, das Übel auch an eben dieser Wurzel packen.

Bei Nagetieren war es schon länger möglich, haarbildende Zellen so zu vervielfältigen und zu transplantieren, dass neue Haare wachsen, berichtet das Forscherteam in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Beim Menschen schlug dies bislang fehl: Die haarbildenden Zellen hätten sich bei der Vermehrung auf den flachen Kulturen im Labor stets wieder in normale Hautzellen verwandelt, sagte Colin Jahoda von der britischen Durham University, einer der Autoren der Studie.

Für ihren neuen Ansatz die Wissenschaftler Zellen aus dem Teil des Haarfollikels, der Haarbildung und -wachstum steuert und vermehrten sie in einer dreidimensionalen Zellkultur, was eher den natürlichen Bedingungen im menschlichen Gewebe entspricht. Für die Studie wurde dies mit Zellmaterial von sieben männlichen Spendern mit erblich bedingtem Haarausfall erprobt.

Langzeituntersuchungen stehen noch aus
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