Medizin-Nobelpreis geht an zwei Australier für Entdeckung des Helicobacter-Bakteriums
Revolution in der Magenmedizin prämiert

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die australischen Wissenschaftler Barry Marshall und Robin Warren. Die Forscher haben herausgefunden, dass nicht Stress und eine Übersäuerung des Magens die Ursache für Gastritis und Magengeschwüre sind, sondern das Bakterium Helicobacter Pylori.

hsn/HB DÜSSELDORF. Der mit zehn Millionen Kronen (1,07 Millionen Euro) dotierte Preis wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen, am Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Chronische und häufig schwer belastende Erkrankungen können dank Marshall und Warren innerhalb kurzer Zeit mit Antibiotika und säure-reduzierenden Medikamenten in den Griff bekommen werden, begründete das Komitee seine Entscheidung. Bis zur „bahnbrechenden Entdeckung“ der beiden Wissenschaftler im Jahr 1982 galten Stress und persönliche Lebensumstände als Hauptursachen für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Inzwischen ist sicher, dass das Bakterium Helicobacter Pylori für mehr als 90 Prozent aller Zwölffingerdarmgeschwüre und bis zu 80 Prozent der Magengeschwüre verantwortlich ist.

Der heute 68 Jahre alte Warren, der als Pathologe in Perth arbeitet, beobachtete bei etwa der Hälfte der Patienten, von denen er Gewebeproben entnommen hatte, kleine gekrümmte Bakterien, die sich im unteren Teil des Magens angesiedelt hatten. Dem Forscher fiel bei seinen Untersuchungen auf, dass Entzündungen der Magenschleimhaut immer in nächster Nähe zu diesen Keimen auftraten. Marshall (54) interessierte sich für Warrens Forschungsergebnisse, und beide führten eine Biopsie-Studie bei 100 Patienten durch. Dabei entdeckten sie, dass die später Helicobacter Pylori genannten Keime bei fast allen Patienten mit Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren auftraten und die eigentliche Ursachen für deren Entstehen sind.

Marshall gelang es schließlich, die Bakterien im Labor zu kultivieren. Ein Selbstversuch brachte Marshall die endgültige Gewissheit: Er schluckte größere Mengen der Bakterien und bekam prompt eine schwere Gastritis. Der Beweis leitete eine Revolution in der Magenheilkunde ein. Heute werden die Erkrankungen des Verdauungsorgans zumindest in den reichen Ländern mit Antibiotika behandelt.

Derzeit ist etwa die Hälfte der Erdbevölkerung mit dem Bakterium infiziert – besonders viele Menschen in Entwicklungsländern. Das Bakterium gelangt vor allem über Essen oder Trinkwasser in den Magen. Schätzungen zufolge ist etwa jeder Dritte Deutsche infiziert – oft jedoch ohne Symptome zu haben. Auch Kinder, die immer wieder Bauchschmerzen haben, können befallen sein. Wodurch die Krankheit ausbricht, ist noch ungeklärt. Zehn bis 15 Prozent der Infizierten bekommen im Laufe ihres Lebens ein Magen- oder Darmgeschwür. Im schlimmsten Fall führt das Bakterium zum Magendurchbruch oder Krebs.

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