Medizin-Nobelpreisträger von 1962 verstarb mit 87 Jahren
DNA-Mitentdecker Maurice Wilkins ist tot

Maurice Wilkins ist tot, einer der vier Entdecker der DNA-Struktur. Für die bahnbrechenden Erkenntnisse über das Ergbut bekamen die Forscher 1962 den Medizin-Nobelpreis.

HB LONDON/HAMBURG. Wilkins und Rosalind Franklin durchleuchteten vor rund einem halben Jahrhundert das Erbmaterial DNA mit Röntgenstrahlen. Aus den daraus entstandenen Bildern schlossen Watson und Crick später auf die weltberühmte Doppelhelix-Struktur der DNA. Zusammen mit diesen beiden Forscher erhielt Wilkins 1962 den Nobelpreis für Medizin. Franklin war vor Zuerkennung des Preises gestorben.

Wie das Londoner King's College am Mittwoch mitteilte, starb Wilkins bereits am Dienstag im Alter von 87 Jahren im Kreis der Familie in einem Krankenhaus. Der Forscher war seit 1981 emeritierter Professor der Hochschule. Im vergangenen Jahr nahm er noch an den Feiern zum 50. Jahrestag der Entdeckung der DNA-Struktur teil. „Professor Wilkins war eine herausragende Figur, einer der größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts und ein Mann von großer Menschlichkeit“, würdigte der Direktor des King's College, Rick Trainor, seinen Kollegen.

Maurice Hugh Frederick Wilkins wurde am 15. Dezember 1916 in Neuseeland geboren. Als Wissenschaftler arbeitete er zunächst am so genannten „Manhattan-Projekt“, dem US-Programm zum Bau der Atombombe. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war der Forscher außerordentlicher Professor für Physik an der schottischen St.-Andrews-Universität.

„Jedem hier ist bewusst, dass viele Arbeiten, die wir hier machen, auf die Forschung von Wilkins und seinen Kollegen zurückgehen“, sagte Jochen Müller-Dieckmann, Strukturbiologe an der Hamburger Außenstelle des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL). Wilkins habe die DNA erst in jene Form gebracht, die sich mit den Röntgenstrahlen analysieren ließ, erklärte der Chemiker. Die Leistungen von Wilkins würden von der Öffentlichkeit allerdings vielfach unterschätzt, ergänzt Tim Salditt, Leiter des Instituts für Röntgenphysik an der Universität Göttingen.

James Watson ist der letzte lebende Entdecker der DNA-Struktur. Erst im Juli war Francis Crick in San Diego an Krebs gestorben.

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