Forschung + Innovation
Mediziner entwickeln Zellersatz für Diabetiker und Leberpatienten

Ein deutsch-spanisches Forscherteam hat Ersatzzellen für Diabetiker und Leberpatienten entwickelt, die eines Tages möglicherweise Transplantationen oder Insulinspritzen ersetzen könnten.

dpa KIEL. Ein deutsch-spanisches Forscherteam hat Ersatzzellen für Diabetiker und Leberpatienten entwickelt, die eines Tages möglicherweise Transplantationen oder Insulinspritzen ersetzen könnten.

Der Kieler Arzt Fred Fändrich und seine Kollegen aus Leipzig, Würzburg und Alicante brachten bestimmte Blutzellen im Labor dazu, sich ähnlich wie menschliche Leberzellen zu verhalten oder Insulin zu produzieren. Bis das Produkt in den Kliniken verwendet werden könne, dauere es aber noch fünf bis sieben Jahre, betonte Fändrich.

„Um die ganze Diskussion um die Ethik von embryonalen Stammzellen zu umgehen, haben wir uns auf Zellen aus dem Blut konzentriert, die so genannten Monozyten“, sagte der Transplantationsmediziner. „Der große Vorteil ist, dass diese Zellen in großen Mengen verfügbar sind und sich beschwerdefrei für den Patienten aus dem Blut entnehmen lassen.“ Ein weiterer Vorzug: Da die Zellen von dem Patienten selbst stammen, besteht keine Abstoßungsgefahr. „Dieser Ansatz kann eine Alternative zu Insulininjektionen für Diabetiker und Lebertransplantationen sein“, meint Fändrich.

„Das neue und innovative an unserem Konzept ist, dass die Monozyten in programmierbare Zellen zurückgedreht werden“, sagte der Leiter der Forschungsgruppe. So könnten ihnen andere Aufgaben zugewiesen werden. Dieser Prozess heißt Dedifferenzierung. Die Zellen können nun mit geeigneten Wachstumsmedien in die gewünschte Zielzelle weiterdifferenziert werden. Dieser Prozess dauert mindestens zehn Tage. So können Leberzellen oder insulinproduzierende Zellen entstehen. „Die gezüchteten Leberzellen produzieren die wichtigsten Proteine wie Albumin oder Gerinnungsfaktoren und können Fremdstoffe entgiften“, erklärte Fändrich.

Der neue Therapieansatz ist bereits als europäisches Patent anerkannt und soll nun zum Therapieverfahren weiterentwickelt werden.

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