Forschung + Innovation
Mediziner: Gesichtstransplantation ist technisch machbar

Menschen mit schweren Gesichtsverletzungen könnte die plastische Chirurgie in naher Zukunft ein Leben mit einem neuen Antlitz ermöglichen.

dpa MüNCHEN. Menschen mit schweren Gesichtsverletzungen könnte die plastische Chirurgie in naher Zukunft ein Leben mit einem neuen Antlitz ermöglichen. „Gesichtstransplantationen sind technisch bereits machbar“, sagte Milomir Ninkovic, Chefarzt für Plastische Chirurgie am Klinikum Bogenhausen in München, in einem dpa-Gespräch.

Dank der neuen Methoden der so genannten rekonstruktiven Chirurgie spiele die Größe der zu verpflanzenden Hautpartien praktisch keine Rolle mehr. Jedoch zeigte sich Ninkovic skeptisch, ob eine komplette Gesichtstransplantation in der Praxis realistisch ist: „Es wird sehr schwer werden, einen Spender zu finden.“ Denn bei einer Transplantation von Gesicht und Händen eines Toten müsse dessen Familie zustimmen.

Ninkovic war Teil jenes Innsbrucker Ärzteteams, dem vor fünf Jahren in einer spektakulären Operation die weltweit zweite Transplantation zweier Hände gelang. Auf dem OP-Tisch lag damals ein Polizist, dem im Diensteinsatz eine Rohrbombe beide Hände zerfetzt hatte. „Heute arbeitet er wieder normal als Polizist. Die Hände sehen ganz natürlich aus“, sagte Ninkovic. Jedoch bedeute die Verpflanzung fremder Körperteile eine extreme Belastung. Ninkovic: „Diese Menschen müssen ein Leben lang jeden Tag ihr Immunsystem mit Medikamenten unterdrücken, denn dieses ist verantwortlich für die Abstoßung.“ Deshalb komme die Transplantation fremder Körperteile nur als letzte Möglichkeit in Frage.

Mit einer Erfolgsquote von 85 bis 90 Prozent leichter zu verkraften seien dagegen so genannte Auto-Transplantationen, bei denen Teile des eigenen Körpergewebes verpflanzt werden. Eine der wichtigsten Aufgaben während der Transplantation ist nach Angaben von Ninkovic, die Durchblutung des verpflanzten so genannten Hautlappens wiederherzustellen. Dafür nähen die Ärzte unter dem Mikroskop die knapp einen Millimeter dicken Gefäße mit Fäden zusammen. Dank einer neuen lasergesteuerten Methode der Durchblutungsmessung überlebe das Gewebe heute in mehr als 95 Prozent der Fälle den körperinternen Umzug.

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