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Mediziner verlangt Pflicht-Erklärung zur Organspende

Um den Mangel an Spenderorganen zu lindern, soll nach Vorstellung des Rostocker Transplantationsexperten Ernst Klar jeder Krankenversicherte erklären, ob er zur Organspende nach dem Tod bereit ist. Diese Information werde auf der Versichertenkarte gespeichert, schlug Klar in einem dpa-Gespräch vor.

dpa ROSTOCK. Um den Mangel an Spenderorganen zu lindern, soll nach Vorstellung des Rostocker Transplantationsexperten Ernst Klar jeder Krankenversicherte erklären, ob er zur Organspende nach dem Tod bereit ist. Diese Information werde auf der Versichertenkarte gespeichert, schlug Klar in einem dpa-Gespräch vor.

„Jeder will ein Spenderorgan haben, wenn er es braucht. Daher muss meiner Ansicht nach auch jeder bereit sein, sich in dieser Frage festzulegen“, sagte der Mediziner im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft, die am Donnerstag in Rostock beginnt.

Die Zahl der Spenderorgane in Deutschland müsse deutlich erhöht werden. Wartezeiten etwa von sechs Jahren auf eine Nierentransplantation seien inakzeptabel, sagte Klar. Auch bei anderen Organen gebe es erhebliche Mängel: „Im vergangenen Jahr starben 388 von 1 525 Menschen, die auf der Warteliste für eine Lebertransplantation standen.“ Ein Spenderherz könne ein Patient erst bekommen, wenn er in akuter Lebensgefahr sei.

Die Zahl der Organspenden müsse deutlich erhöht werden, forderte Klar. „Das Potenzial der gespendeten Organe von Hirntoten wird erst zu einem Drittel genutzt.“ Einen Organspendeausweis haben laut Klar nur zwölf Prozent aller Menschen. Damit bürdeten die meisten Menschen die Verantwortung der Familie auf. „Wenn Angehörige direkt nach dem Tod eines geliebten Menschen entscheiden müssen, ob seine Organe entnommen werden dürfen, ist die Ablehnungsquote angesichts der seelischen Belastung sehr hoch.“

Klar regte an, das System der Transplantationsbeauftragten, das sich in Mecklenburg-Vorpommern bewährt habe, deutschlandweit einzuführen. Dabei überprüft in jedem Krankenhaus ein bestimmter Arzt potenzielle Organspender. „Wenn es keinen solchen Beauftragten gibt, werden Spender oft gar nicht erkannt, und die Organe sind verloren.“

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