Medizintechnik
Fortschritte bei der Diagnose von Rheuma

Rheumatische Erkrankungen können mittlerweile hervorragend behandelt, oft sogar gestoppt werden – vorausgesetzt, die Krankheit wird rechtzeitig erkannt. Dies war bislang jedoch schiwerig, doch ein neues Verfahren macht nun Hoffnung.

BERLIN. Mehr als eine Million Erwachsene in Deutschland leiden unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Auch 15 000 Kinder sind betroffen. Fortschritte in der Therapie führen bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Besserung – oft zum Stillstand, vorausgesetzt die Krankheit wird früh erkannt und behandelt. Sind die Gelenke schon versteift, die Finger unbeweglich, dann ist es meist zu spät. Forscher und Medizintechnikhersteller suchen deshalb nach Diagnose-Techniken, mit denen es gelingt, rheumatische Gelenkentzündungen bereits in ihrem Anfangsstadium zu erkennen.

Das ist gar nicht so einfach, denn solange die Krankheit nur gering ausgeprägt ist, ist sie mit den meisten diagnostischen Methoden nicht erkennbar. Eine vielversprechende Methode besteht darin, Rheuma künftig frühzeitig über die Messung der Knochendichte zu erkennen. GE Healthcare hat ein spezielles Röntgengerät entwickelt, mit dem sich der Schwund der Knochensubstanz bestimmen lässt. Das so genannte DXA-Gerät wird bereits in der Osteoporose-Diagnostik genutzt, um Erkrankungen an Wirbelkörpern oder am Hüftgelenk sichtbar zu machen.

Mit dem Verfahren könnte Rheuma in Zukunft wesentlich früher diagnostiziert werden, sagt die Rheuma-Expertin Marina Backhaus, Privatdozentin an der Universitätsklinik Charité. Sie evaluiert die neue diagnostische Methode derzeit in einer klinischen Studie. Erste Ergebnisse hätten gezeigt, dass die entzündungsbedingte Abnahme der Knochendichte bereits wenige Wochen nach Ausbruch der Krankheit erkennbar sei. Allerdings seien noch weitere Studien nötig.

Auf herkömmlichen Röntgenaufnahmen suchen Rheumatologen oft vergeblich nach Frühzeichen für eine Rheuma-Erkrankung – strukturelle Veränderungen am Knochen sind frühestens nach etwa sechs Monaten zu erkennen. Die Mediziner setzen deshalb vermehrt auf die Untersuchung der mit Röntgenstrahlen nicht sichtbaren Weichteile wie Sehnen, Gelenkkapseln oder Blutgefäße. Studien zeigen, dass die Magnetresonanztomographie (MRT) entzündliche Weichteilveränderungen sichtbar macht und eine frühere Diagnose erlaubt. „Die höheren Kosten und die geringe Verfügbarkeit der MPT-Geräte begrenzen jedoch den Einsatz dieser Technik“, sagt Backhaus.

Wesentlich preiswerter ist der Gelenk-Ultraschall. Mit ihm können erfahrene Rheumatologen schon früh erste Anzeichen von Rheuma erkennen. So erproben Forscher den Einsatz des neuen Ultraschall-Kontrastmittels Sonovue von Altana Pharma für die Rheumadiagnose. Die ursprünglich für die Untersuchung von Gefäßen und Leberschäden zugelassenen Signalverstärker enthalten Mikrobläschen, die sich in kleinsten Blutgefäßen anreichern und diese sichtbar machen. So erkennen die Mediziner, wo sich neue Blutgefäße bilden – ein typisches Zeichen für den beginnenden Entzündungsprozess.

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