Meeresbiologie Robben kehren an die Ostseeküste zurück

Vieles spricht dafür, dass die Kegelrobben ihren vor 100 Jahren verlorenen Lebensraum an der deutschen Ostseeküste zurückerobern. Mit Spionagesoftware haben Forscher die Robben als Wiederkehrer geoutet.
Kegelrobben fühlen sich an der deutschen Ostseeküste offenbar wieder wohl.
Kegelrobbe mit Jungtieren

Kegelrobben fühlen sich an der deutschen Ostseeküste offenbar wieder wohl.

StralsundNoch rätseln Forscher, ob die Kegelrobbe tatsächlich an die deutsche Ostseeküste zurückgekehrt ist – es fehlt der Nachweis für die Geburt eines Robbenbabys vor Ort. Doch die Kegelrobben, die seit mehr als zehn Jahren zunehmend auf der Greifswalder Oie oder im Greifswalder Bodden entdeckt werden, fühlen sich in diesem Terrain offenbar sehr wohl: Mit einer Spionagesoftware haben Meeresbiologen einen Teil der Tiere als alljährliche Wiederkehrer geoutet.

Die Meeresbiologin Linda Westphal wertete für ihre Masterarbeit an der Universität Rostock 3000 Fotos von Kegelrobben aus, die zwischen 2007 und 2016 vor der mecklenburg-vorpommerschen Küste gemacht wurden. Mit einer speziellen Mustererkennungssoftware fahndete sie nach typischen Schattierungen auf dem Fell. „Jede Robbe hat eine stabile, individuelle Fellfärbung, die sie von anderen Robben unterscheidet“, sagt der Kurator für Meeressäuger am Deutschen Meeresmuseum, Michael Dähne.

Brutpflege auf prall gefüllten Schatzkisten
Tiefseekrake Casper
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Im März 2016 ging das Bild eines Kraken um die Welt: Das Weichtier wurde in der Nähe der Hawaiiinseln in 4000 Meter Tiefe von einem ferngesteuerten Tauchroboter gefilmt und erlangte Weltruhm, nachdem die Bilder im Web veröffentlicht worden waren. Die Webgemeinde gab dem nahezu durchsichtigen Kraken den Namen Casper, in Anlehnung an das bekannte Trickfilm-Gespenst. (Foto: NOAA Office of Ocean Exploration)

Tiefseekrake am Grund des Peru-Beckens
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Jetzt berichten Forscher unter anderem des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) über weitere Begegnungen mit bislang unbekannten Tiefseekraken. Und über mögliche Gefahren, die den Tieren drohen könnten. Denn die Tiefseebewohner brüten ihren Nachwuchs gewissermaßen auf gefüllten Schatzkisten aus. (Foto: ROV-Team, GEOMAR)

Mit Tauchrobotern aufgespürt
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Mit einem ferngesteuerten Tauchroboter untersuchten die Wissenschaftler ein Gebiet im Peru-Becken im südöstlichen Pazifik. Dabei stießen sie in gut 4000 Meter Tiefe auf mehrere bislang unbekannte Arten von Tiefseekraken. (Foto: NOAA Office of Ocean Exploration)

Mangan-Knollen am Meeresgrund
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Wie sich zeigte, nutzen die Tiere Manganknollen als Brutplätze. Die Knollen gelten als mögliche Rohstoffquellen der Zukunft, sie enthalten Metalle, die unter anderem in Handys und Computern verwendet werden.

Tiefseekrake im Peru-Becken
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Zwei der von den Forschern entdeckten Kraken bewachten gerade ihr Gelege, als die Kameras auf sie gerichtet wurden. Diese Tiere hatten ihre Eier an die Stängel abgestorbener Schwämme geheftet, welche wiederum auf Manganknollen gewachsen waren. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Tiefseekrake bewacht Gelege
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Die Knollen dienten den Schwämmen als einziger Ankerpunkt auf dem sonst sehr schlammigen Untergrund. „Ohne die Manganknollen hätten die Schwämme an dieser Stelle nicht leben können – und ohne Schwämme hätten die Kraken keinen Platz für ihr Gelege gefunden“, erläutert AWI-Wissenschaftler Autun Purser. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Im Fokus von Bergbaufirmen
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Da diese Schwämme nur in wenigen eng begrenzten Gebieten wachsen, könnte das die Kraken in Gefahr bringen, fürchten die Wissenschaftler. Denn diese Regionen befinden sich im Fokus von Tiefseebergbaufirmen, welche die Manganknollen bald abbauen möchten. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Bislang wurden mit dieser Methode 15 Robben auf mehreren Fotos aus verschiedenen Jahren wiedererkannt. „14 von ihnen haben immer wieder denselben Liegeplatz aufgesucht“, berichtet Dähne. Sieben der 15 Robben sind sogar jährlich wiederkehrende Säuger. „Diese Daten sprechen für eine große Standorttreue“, sagt der Meeresbiologe, unter dessen Leitung das Projekt am Meeresmuseum fortgesetzt werden soll.

Damit mehren sich die Indizien, dass die Kegelrobbe ihren vor etwa 100 Jahren verlorenen Lebensraum langsam zurückerobert. Dieses Jahr fanden Biologen auf Rügen ein totes Robbenbaby, das noch Reste des typischen Babyfells, Lanugo genannt, trug. Dieses plüschig weiße Fell tragen die Tiere nur in den ersten drei Wochen nach der Geburt.

2015 war eine trächtige Kegelrobbe wochenlang auf der Greifswalder Oie gesichtet worden. Kurz vor der Geburt verschwand das Tier vermutlich Richtung Norden. Da Robben immer wieder an ihren alten Wurfplatz zurückkehren, wäre die Geburt eines Robbenbabys ein Zeichen für die Wiederansiedlung, sagt Dähne. Kegelrobben haben eine Lebenserwartung von etwa 40 Jahren.

Bejagung und Umweltgifte hatten in der Vergangenheit zu einem Bestandseinbruch der Meeressäuger geführt, von dem sie sich allmählich erholen. Mittlerweile leben in der Ostsee wieder rund 35.000 Tiere, nachdem die Population in den 1980er Jahren auf etwa 2000 gesunken war. Dennoch ist die ursprüngliche Zahl von einst 100.000 Robben vor mehr als 100 Jahren noch längst nicht erreicht.

Vorsichtig optimistisch
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