Meeresforscher sind beunruhigt
Saure Zeiten für die Ozeane

Die Ozeane nehmen etwa die Hälfte des vom Menschen gemachten CO2 auf. Das verlangsamt zwar die Erderwärmung, doch die Emissionen verändern das Meerwasser - mit dramatischen Folgen für Korallen und Plankton.

HAMBURG. Zuerst windet sich der Fisch, taumelt dann und fällt in Schlaf. 3 600 Meter unter der Meeresoberfläche zeigt die Überdosis Kohlendioxid ihre giftige Wirkung: Als sich die Kühlbox mit dem flüssigen Gas öffnet, werden die herannahenden Tiere am Meeresboden prompt narkotisiert.

Die 1999 vom Videoroboter "Tiburon" aus der Tiefsee übermittelten Bilder schockten die Öffentlichkeit. Denn sie zeigten, welche Auswirkungen eine Versenkung des Treibhausgases CO2 auf die Tierwelt im Ozean haben kann. Zwar gab es seit diesen Versuchen des Monterey-Bay-Instituts in Kalifornien kein großskaliges Experiment, aber den Plänen mancher Vordenker, das Kohlendioxid unserer Zivilisation einfach im Meer zu verklappen, wird seither überwiegend eine Absage erteilt: Zu drastisch wären die Auswirkungen auf die sensible Tierwelt in der Tiefe.

Tatsächlich ist der Ozean durch den Treibhauseffekt ohnehin einem gigantischen Experiment unterworfen. Sechs Milliarden Tonnen CO2 gelangen jährlich durch Industrie und Verkehr in die Atmosphäre - Tendenz steigend. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre lag 2005 bei etwa 381 ppm (Teilchen pro Million), 100 ppm über dem Stand vor der Industrialisierung. Und das "Intergovernmental Panel on Climate Change" erwartet, dass sie in 100 Jahren auf 700 ppm steigen wird.

"Die Ozeane nehmen etwa die Hälfte des vom Menschen gemachten CO2 auf", erklärt Ulf Riebesell vom Institut für Meereskunde in Kiel. "Das ist ein Segen für unser Klima, weil es die Erderwärmung verlangsamt. Aber möglicherweise ist es ein Fluch für die Organismen im Ozean." Der Grund: Mit jeder Tonne Kohlendioxid, die ins Meerwasser gelangt, wird es saurer. Ein Teil des Gases, das sich in den Ozeanen auflöst, wird dabei zu Kohlensäure und greift alles an, was Kalk enthält. "Ob Korallen, Schnecken oder die vielen Mikroorganismen im Plankton, die Skelette bilden, all diese Kalk bildenden Organismen kriegen bei dem saurer werdenden Milieu Schwierigkeiten zu überleben."

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