Meeresforschung
Ein Flugzeug für die Tiefsee-Forschung

Wie ein Unterwasserflugzeug wirkt der „Deep Flight Super Falcon“-Jet aus der Werkstatt des Tauchboot-Entwicklers Graham Hawkes. Das Mini-U-Boot des US-Ingenieurs, der auch schon für den legendären Steve Fossett arbeitete, soll die Meeresforschung revolutionieren.
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dpa SAN FRANCISCO. Das neueste „Unterwasserflugzeug“ zur Erkundung der Ozeane sieht aus wie eine Kreuzung aus einem Miniatur-Kampfjet und einem Rennwagen. Mit einem herkömmlichen Unterseeboot hat der „Deep Flight Super Falcon“-Jet aus der Werkstatt des US-Ingenieurs Graham Hawkes wenig gemein. Nach 20-jähriger Entwicklung stellte der kalifornische Konstrukteur im Wissenschaftsmuseum von San Francisco einzigartige Gefährt vor. Es soll eine neue Ära der Meeresforschung einläuten.

Der sechs Meter lange Flitzer mit Stummelflügeln, Propellerantrieb und zwei gläsernen Cockpits für Pilot und Beifahrer kann bis zu 500 Meter tief abtauchen. Unter seiner leichten, aber extrem druckfesten Carbonfaser-Hülle verbergen sich Lithium-Batterien und Joysticks, die bis zu achtstündige Unterwasserfahrten ermöglichen.

Der Meeresbiologe und Hai-Experte John McCosker aus dem Steinhart Aquarium in San Francisco wird als erster Wissenschaftler in diesem Sommer vor der kalifornischen Küste in Monterey auf Tauchgang gehen. „Damit kann man vergleichsweise preiswert durch die Meere fliegen und große Strecken zurücklegen“, so der Forscher. McCosker verspricht sich von dem wendigen Super Falcon einen besseren Einblick in das Verhalten seiner Forschungsobjekte. „Wir können nun Seite an Seite mit einem Wal oder Hai schwimmen oder vielleicht einem riesigen Tintenfisch folgen, der sich an unserer Präsenz nicht stört“.

Hawkes, Präsident des Unternehmens „Hawkes Ocean Technologies“, hat das Design von mehr als 70 Prozent aller bemannten Mini-U-Boote für Forschung und Industrie weltweit geschaffen. Er selbst stellte den Weltrekord für den tiefsten Solo-Tauchgang auf, als er einen „Deep Rover“ in tausend Meter Tiefe testete. Bereits 1996 tauchte er mit dem Ein-Mann-Unterwasserfahrzeug „Deep Flight I“ - auf dem Bauch liegend - ab.

Im Auftrag des US-Abenteurers Steve Fossett entwickelte Hawkes den Tiefseetaucher „Deep Flight Challenger“, mit dem er die tiefste Stelle des Ozeans, eine Schlucht im Marianengraben im westlichen Pazifik rund 11 000 Meter unter der Meeresoberfläche, erkunden wollte. Im Simulator hielt das Tauchboot dem massiven Wasserdruck stand, doch nach dem tödlichen Flugzeugabsturz Fossetts im September 2007 wurde das Projekt eingestellt.

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