Meeresforschung Seegras fischt Krankheitserreger aus dem Meer

In der Nähe von Seegraswiesen tummeln sich deutlich weniger krankmachende Bakterien im Wasser. Davon profitieren Menschen, Fische und Korallen. Ein guter Grund, diese küstennahen Ökosysteme besser zu schützen.
Seegraswiesen bieten zahlreichen Meeresbewohnern Nahrung und Schutz. (Foto: Margaux Hein)
Seegraslandschaft vor der indonesischen Küste

Seegraswiesen bieten zahlreichen Meeresbewohnern Nahrung und Schutz. (Foto: Margaux Hein)

HeidelbergSeegraswiesen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ozeane: Sie wachsen beinahe auf der ganzen Welt in flachen Küstengewässern und bieten zahlreichen Meeresbewohnern Nahrung und Schutz. Ein Team um Joleah B. Lamb von der Cornell University in Ithaca, New York, hat nun entdeckt, dass Seegraswiesen offenbar auch noch eine weitere wichtige Funktion übernehmen: Sie sorgen dafür, dass sich weniger schädliche Bakterien im Meer tummeln.

Die Wissenschaftler untersuchten die Gewässer in der Nähe von vier kleineren Inseln vor der Westküste Indonesiens. In Küstenregionen, so entdeckten Lamb und seine Kollegen, überstieg die Menge an Bakterien der Gattung Enterococcus, die beim Menschen Harnwegsinfektionen auslösen können, den Grenzwert der US-Umweltschutzbehörde um das Zehnfache.

Die schwarzen Schlote der Tiefsee
Schwarzer Raucher
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Sie tragen poetisch klingende Namen wie „Rosengarten“ oder „Jenseits von Eden“. Doch die Welt der Schwarzen Raucher hat mit Rosenduft nichts zu tun. Eine heiße, giftige Brühe quillt aus den Tiefseeschloten hervor. (Foto: NOAA)

So entsteht ein Schwarzer Raucher
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Schwarze Raucher finden sich an den mittelozeanischen Rücken - Regionen der Tiefsee, wo neue Erdkruste entsteht. Hier ist der Meeresboden voller Risse und Spalten, in die Meerwasser eindringt. Tief im Boden trifft das Wasser auf glühendes Magma und erhitzt sich. Extrem aufgeheizt, schießt das Wasser explosionsartig nach oben und löst auf seinem Weg Richtung Meeresboden Mineralstoffe aus dem Gestein. (Foto: NOAA)

Schwarzer Raucher im Atlantik
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Tief am Grund des Meeres gelegen und ständig ein heißes, giftiges Gemisch ausstoßend, wirken die Schlote auf den ersten Blick lebensfeindlich. Doch der Eindruck trügt. (Foto: NOAA)

Fischschwarm an einem Schwarzen Raucher
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Tatsächlich bieten die Tiefseequellen Lebensraum für eine bunte Vielfalt von Organismen. (Foto: NOAA)

Tiefseekrabben an einem Schwarzen Raucher
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Tiefseekrabben, Muscheln und Röhrenwürmer siedeln gern in der Grenzzone zwischen dem heißen Wasser der Raucher und dem kalten Meerwasser. (Foto: NOAA)

Kolonien von Röhrenwürmern an einem Schwarzen Raucher
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Lebensgrundlage dieser Tiefseebiotope sind Schwefelbakterien. Sie wandeln die im heißen Wasser der Schlote reichlich vorhandenen Schwefelwasserstoffe in Zucker und andere energiereiche Moleküle um. (Foto: NOAA)

Schwarzer Raucher
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Die Bakterien bilden den Anfang einer ungewöhnlichen Nahrungskette – vielleicht der ersten, die es je auf unserem Planeten gegeben hat. Denn manche Forscher vermuten, dass das Leben auf der Erde an heißen Tiefseequellen seinen Anfang genommen hat. (Foto: NOAA)

Die Enterococcus-Konzentration war jedoch dreimal geringer, wenn Seegraswiesen in der Nähe waren. Auch andere für Meeresbewohner wie für Menschen relevante Krankheitserreger kamen unter diesen Bedingungen nur halb so oft vor. Den Korallenriffen in der Nachbarschaft von Seegraswiesen ging es ebenfalls besser: Hier waren typische Krankheiten 50 Prozent weniger prävalent als ohne den Pflanzenbewuchs am Meeresgrund.

Wie genau das Seegras dazu beiträgt, dass Pathogene aus dem Meer herausgefiltert werden, haben die Forscher nicht untersucht. Sie bieten aber verschiedene Theorien an: So könnte beispielsweise der Sauerstoff, den die Pflanzen produzieren, manchen Bakterien der Garaus machen.

Aktuell schrumpfen die Seegraswiesen weltweit: Experten gehen davon aus, dass seit 1990 jedes Jahr rund sieben Prozent verloren gehen. Lamb und sein Team hoffen, dass ihre Erkenntnisse nun einen zusätzlichen Anreiz bieten, diese Ökosysteme zu schützen.

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