Meeressimulation
Nautiker machen Schiffe sicherer

So genannte Freakwaves oder Monsterwellen sind zwar selten, aber wenn sie auftreten, sind sie für Schiffe eine ernste Gefahr. Mit Hilfe der Simulation extremer Seegänge wollen Forscher Schwachstellen in der Konstruktion aufzeigen – und damit Schiffe künftig robuster machen.

BERLIN. Der 22. Februar des Jahres 2001 dürfte den Passagieren des Kreuzfahrtschiffes „Bremen“ noch gut in Erinnerung sein: Auf ihrer Fahrt im Südatlantik traf den Luxusliner vor Argentinien eine gut 30 Meter hohe Welle. Ihre Wucht beschädigte Teile der Brücke, ein Fenster zerbrach, in dessen Folge eindringendes Wasser die Bordelektronik ramponierte, so dass das Schiff in schwerer See manövrierunfähig wurde und sich quer zu den Wellen legte. Die Crew konnte in letzter Minute den Hilfsdiesel starten und verhinderte so die Katastrophe.

So genannte Freakwaves oder Monsterwellen sind zwar selten, aber wenn sie auftreten, sind sie eine ernste Gefahr, die Ingenieure und Nautiker nun beherrschbarer machen wollen. Das Engagement auf dem Gebiet kommt nicht von ungefähr: Im Schnitt gehen jährlich zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse durch Seeschlag verloren. Versicherungsgesellschaften sind alarmiert, denn es geht eben nicht nur um Ladungs-, sondern auch um Totalverluste.

Hinzu kommt, dass ein kleines 50-Meter-Schiff einer Riesewelle eher wie ein Korken folgen wird, während das bei einem viermal so langen Schiff nicht der Fall ist. Die Schiffe werden aber nicht nur immer größer, Klimaforscher warnen auch davor, dass durch die Erderwärmung häufiger mit heftigeren Stürmen zu rechnen sein wird.

Um der Gefahr, die von solchen Monsterwellen ausgehen, besser einschätzen zu können, simulieren Forscher am Fachgebiet Meerestechnik der TU Berlin die extremen Seegänge in einem 80 Meter langen Wellenkanal. „Was sonst nirgendwo möglich ist: Hier können wir kritische Situationen vorausberechnen“, sagt Günther Clauss, der das Forschungsprojekt leitet.

Die Forscher demonstrieren den Schiffsentwicklern wie monströse Wellen durch Überlagerung von Seegängen entstehen: „Kurze Wellen sind sehr langsam, längere sind schneller. Und ganz lange können sehr schnell werden. Wenn sich unterschiedliche Wellenlängen an einem Punkt so überlagern, dass sie sich alle aufeinander türmen, wird eine Freakwave daraus“, erklärt Clauss. Und genau solche Abfolgen generiert die durch ein spezielles Programm gesteuerte Wellenmaschine. Der Punkt, an dem sich die unterschiedlichen Wellen treffen, wird vorher berechnet, wodurch sich exakt vorhersagen lässt, wann ein Schiff kentern wird. „Unsere Kunden sind dann immer sehr verblüfft“, sagt Clauss. Vor allem aber: Sie wissen dann, was zu tun ist.

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