Mehr als 30 Automobilzulieferer schon im Boot
Microsoft will das Auto erobern

Nach Büro und Wohnzimmer nimmt Softwareriese Microsoft verstärkt das Auto ins Visier. Nicht die Steuerung der Autotechnik steht auf dem Plan, sondern die Verknüpfung der Informations- und Kommunikationstechnik, die zunehmend in die Fahrzeuge integriert wird. Der Konzern hat dazu ein Betriebssystem entwickelt, das als Softwareplattform künftig Autoradios, Telefone, Navigationsgeräte und Internetanschluss sowie die mobilen Pocket-PC verschiedener Hersteller miteinander verknüpft.

MÜNCHEN. Die meisten Autohersteller hat Microsoft schon auf seiner Seite: Die ersten Versionen von „Windows Automotive“ sind bereits in zahlreichen Autos eingebaut, ohne dass der Kunde etwas davon ahnt. Die Bedienoberfläche des Navigationssystems im 7er-BWM basiert ebenso auf der Microsoft-Software wie der Auto-PC in den Citroën-Modellen „Xsara“ und „C5“.

Der französische Hersteller pflegt seit längerem eine strategische Partnerschaft mit dem Softwarekonzern und hat Sondermodelle des „Xsara“ bereits 1999 mit einer ersten Version des Auto-PC ausgestattet. Der neue Rechner, der zusammen mit Auto-Hi-Fi-Hersteller Clarion entwickelt wurde, ist eine Mischung aus Radio, Telefon, Navigationssystem und CD-Abspielgerät auf Basis von Sprachsteuerung.

„Ziel war es, ein System zu schaffen, mit dem Autofahren sicherer und komfortabler wird“, sagt Thomas Albrecht, Sprecher von Citroën Deutschland. So kann ein Autofahrer, der noch schnell ein Zimmer für die Übernachtung benötigt, über ein Call-Center ein Hotel buchen und sich anschließend die Adresse per SMS ins Auto schicken lassen. Die Anschrift wird automatisch an das Navigationssystem weitergereicht und ein Routenplan erstellt. Eine freundliche Computerstimme führt den Nutzer dann zu seinem Nachtquartier.

Ähnliche Anwendungen sind künftig bei der Informationsabfrage aus dem Internet oder bei der Übertragung von Fahrzeugdaten an die Werkstatt denkbar. Vor wenigen Wochen hat Microsoft seine neueste Version Windows Automotive 4.2 vorgestellt, die nun auch den Internet-Explorer integriert und den Datenaustausch über die Funkschnittstelle „Bluetooth“ integriert hat. Damit können sich Nutzer künftig ihre MP3-Musik bequem auf den Auto-PC laden und unterwegs abspielen, ohne diese vorher auf CD zu brennen. Oder es lassen sich aktuelle Nachrichten, Wetter- oder Stauinformationen aus dem Internet abrufen, ohne die Hand vom Lenkrad zu nehmen.

Mehr als 30 Zulieferer der Automobilindustrie haben die neue Software bereits getestet und viele wollen ihre Technik künftig auf Basis des Betriebssystems entwickeln. Dazu gehören neben Clarion, Denso, Kenwood, Sanyo und Yazaki. Bislang hat jeder Zulieferer ein eigenes System genutzt. Daher war es schwierig, diese miteinander zu verbinden oder zusätzliche Funktionen wie eine Sprachsteuerung oder -ausgabe hinzuzufügen. Windows Automotive könnte hier Brücken bauen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass über das Microsoft-Programm ohne Probleme auch Pocket-PC (Taschencomputer mit dem entsprechenden Windows-Betriebssystem) und so genannte Smartphones – Mini-PC mit Telefon – ihre Daten austauschen und ähnliche Programme nutzen können.

„Doch bis die Datenverarbeitung im Auto selbstverständlich ist, wird es noch dauern“, räumt Jürgen Za ein, der bei Microsoft für die Vermarktung des Auto-PC-Betriebssystems zuständig ist. Die unterschiedlichen Entwicklungszyklen machen den Entwicklern bei der Integration der Computertechnik ins Auto am meisten zu schaffen. Autos haben eine Nutzungszeit von fast zehn Jahren. „In dieser Zeit kommen mehrere Generationen von Computern und Prozessoren auf den Markt, so dass die größte Herausforderung darin besteht, die Informations- und Kommunikationstechnik im Auto jeweils auf dem aktuellen Stand zu halten“, bringt es Citroën-Sprecher Albrecht das Problem auf den Punkt.

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