Mensch kann von Ameisen lernen
Das große Krabbeln

Von den Erfolgreichen lernen heißt siegen lernen. Ameisen, eine der erfolgreichsten Organismengruppen dieses Planeten, gibt es seit rund 140 Millionen Jahren, fast 12 000 Arten bevölkern die eisfreien Zonen der Erde. Sie bilden Staaten von bis zu 20 Millionen Individuen in einem Nest.

DÜSSELDORF. Laut dem Projekt Life Counts gibt es geschätzte zehntausend Billionen Ameisen (eine Eins mit 16 Nullen). Ein Berg aus all diesen Winzlingen wäre etwa so schwer wie die Masse aller Menschen, obwohl die "Formiciden" maximal Daumennagelgröße erreichen.

Ein Schlüssel für den Erfolg der Krabbler ist die Vielfalt ihres Verhaltens, die entdeckt, wer sich auf Augenhöhe mit den quirligen Sechsbeinern begibt, wie etwa Sheila Patek und ihr Team von der University of California. Sie filmte die Schnappkieferameisen beim Hoch-Weitsprung und berichtete darüber jüngst in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Dazu nutzen die Tiere den wohl schnellsten Reflex der Welt - nicht im Knie, sondern im Kiefer: Mit bis zu 65 Meter pro Sekunde schnellen die Zangen von Odontomachus bauri gegen den Boden und katapultieren das Insekt wie im Kung-fu-Film acht Zentimeter hoch oder bis zu vierzig Zentimeter weit. Ein Mensch müsste 65 Meter weit springen, um Ähnliches zu vollbringen. "Dadurch flüchten sie vor einem übergroßen Gegner oder katapultieren sich und einen gleich großen Eindringling voneinander weg", sagt Patek.

Neben solch bemerkenswerten Einzelleistungen ist es vor allem ihr Mannschaftsspiel, das Ameisen zu einer der erfolgreichsten Tiergruppen macht. Dass viele von ihnen gemeinschaftlich Pilze züchten oder im Stile von Kuhhirten Blattläuse hüten und melken, wissen Forscher schon länger. Dass sie aber auch ganze Waldabschnitte zu ihren Gunsten kultivieren, das überraschte selbst die an ungewöhnliche Verhaltensweisen gewöhnte Wissenschaftlergilde.

Megan Frederickson von der Stanford Universität löste ein Rätsel des Regenwaldes im peruanischen Amazonasgebiet (Bericht in "Nature"). In diesem Paradies der botanischen Vielfalt gibt es immer wieder Inseln der Monotonie aus Baumgruppen von bis zu 300 Exemplaren von Duroia hirsuta, einem Rötegewächs. Die Einwohner der Region haben die natürlichen Monokulturen "des Teufels Garten" getauft, weil sie so sonderbar sind. Aber es ist nicht der Teufel, sondern die Ameise Myrmelachista schumanni, die die Konkurrenten der Baumart aus dem Weg räumt. "Die Ameisen erschaffen einen Platz mit nur einer Pflanzenart an einem der biologisch vielfältigsten Orte der Welt", begeistert sich Frederickson. Sie fand heraus, dass die Sechsbeiner alle anderen Pflanzen durch Säureanschläge töten. Aus gutem Grund: Der Pflanzenkiller wohnt in den hohlen Stämmen der Bäume. Auf diese Weise erhöhen die M. schumanni die Zahl ihrer Behausungen, eine Baum-Stadt für Millionen Bewohner.

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