Mensch-Maschine-Hybridmotorrad
Rakete auf zwei Rädern

In einem Berliner Schuppen hat Stefan Gulas ein Elektrofahrrad mit enormem Antrieb entwickelt: das E-Rockit. Damit hat der gebürtige Österreicher eine völlig neue Fahrzeugkategorie geschaffen: Das Mensch-Maschine-Hybridmotorrad. Es verstärkt die Kraft der Pedale um das 50-fache und hängt sogar Autos ab. Nun startet die Serienproduktion.
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BERLIN. Gerade erst hat sich Stefan Gulas wieder ein Rennen geliefert. Er auf seinem Fahrrad, der Gegner mit einem Quad Bike. "Der hat geschaut, als ich ihn abgehängt habe", feixt er, "dem ist vor lauter Aufregung gleich der Motor abgestorben." Andere an der Ampel stehen lassen - das ist für Gulas ein Spaß, den er sich am liebsten jeden Tag gönnt. Freilich, ein gewöhnliches Fahrrad reicht dazu nicht aus. Gulas fährt auf seinem selbst entwickelten E-Rockit - ein elektrisch angetriebenes Mischwesen aus Fahrrad und Motorrad. "Das Ziel ist klar", sagt er: "Möglichst viele Autos abziehen."

Doch Gulas hat noch ein anderes Ziel im Hinterkopf. Mit seinem E-Rockit will er den Markt für Elektrozweiräder aufmischen. Der stark steigende Umsatz in diesem Sektor könnte dem Unternehmer dabei ins Blatt spielen: "Bei unseren Mitgliedsfirmen ist Elektromobilität momentan das Thema schlechthin", sagt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV). Die Marktentwicklung sei dynamisch: Der ZIV rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 25 bis 30 Prozent bei den sogenannten "Pedelecs" - das sind Fahrräder mit Elektromotor.

Im Vergleich dazu steckt der Markt für Elektromotorräder zwar noch in den Kinderschuhen. Das sei ihm aber "wurscht", sagt Gulas. Denn mit dem E-Rockit ziele er auf einen eigenständigen Markt, der erst entwickelt werden müsse. Das Gefährt stelle eine völlig neue Fahrzeugkategorie dar. Gulas nennt es Mensch-Maschine-Hybridmotorrad.

"Es geht darum, Elektrofahrzeuge emotional aufzuladen", beschreibt er das Konzept. Mit den Pedalen entstehe ein "Fahrrad-Feeling". Sie treiben allerdings nicht direkt das Hinterrad an, sondern einen Motor, der den Antrieb um das bis zu 50-fache verstärkt. Das, so der Erfinder, fühle sich an, als hätte man übermenschliche Kräfte.

Selbsternannter "schräger Vogel"

Gulas strotzt vor Selbstbewusstsein und Energie. Das kurze Haar des 38-Jährigen ist zwar schon weiß, genau wie sein Stoppelbart, der das schmale Gesicht einrahmt. Wenn er aber loslegt, sprudelt die Begeisterung eines Jugendlichen aus ihm hervor. Gulas fuchtelt mit den Armen, untermalt seine Aussagen mit merkwürdigen Lauten. "Die meisten halten mich für einen Spinner", sagt er und bezeichnet sich selbst als "schrägen Vogel". Doch diese Rolle füllt er nur zu gerne aus.

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