Mensch-Maschine-Kommunikation
Anwenderfreundlichkeit rückt in den Fokus

Handys und Unterhaltungselektronik machen den durchschnittlichen Konsumenten oft ratlos – die Funktionsweise vieler neuen Anwendungen lässt sich nur schwer durchschauen.

BERLIN. Dass die Benutzer von komplexen industriellen Maschinen zunehmend vor dem gleichen Problem stehen, ist noch nicht so recht ins Bewusstsein der Hersteller gedrungen. Auf dem Themenstand „Mensch-Maschine-Interaktion“ auf der Hannover Messe zeigen Experten von der Technischen Universität Berlin zusammen mit Industriepartnern, wie man die Möglichkeiten der Technik möglichst menschenfreundlich präsentiert. „Man muss die Schnittstellen richtig gestalten“, fordert Matthias Rötting vom Zentrum Mensch-Maschine-Systeme der TU Berlin. Aber oft werden selbst die grundlegendsten Dinge falsch gemacht – wenn beispielsweise ein Monitor so ungünstig platziert wird, dass er vom Bedienpersonal kaum gesehen werden kann.

Verwirrung entsteht ebenfalls, wenn eine Maschine aus Komponenten verschiedener Hersteller besteht, und jeder seine eigene Benutzeroberfläche liefert. Und auch kulturelle Unterschiede müssten beachtet werden: Farben und Symbole, die in Deutschland sofort verstanden werden, können woanders in der Welt womöglich nichts oder etwas ganz anderes bedeuten.

Um die Usability, also die Bedienerfreundlichkeit, gleich in die Produktentwicklung zu integrieren, setzen die Berliner auf einen interdisziplinären Ansatz, an dem neben den Ingenieuren auch Informatiker und Psychologen beteiligt sind. „Die Technik muss an die kognitiven Fähigkeiten des Menschen angepasst sein“, beschreibt Psychologin Christiane Steffens die Aufgabe. Bevor ein neues Interface definiert wird, befragen und beobachten die Experten darum die künftigen Nutzer, zum Beispiel bei Werksbesuchen.

Auch an der Universität Kaiserslautern wird mit solch einem interdisziplinären Ansatz an der besseren Verständigung zwischen dem Menschen und der Maschine gearbeitet. „Die Firmen haben zwar viel technisches Know-how, aber der Faktor Mensch wird erst im letzten Moment bedacht“, sagt Alexander Bödcher vom Zentrum für Mensch-Maschine-Interaktion der Kaiserslauterer Universität. „Die Nutzer haben dann keine Chance, die Komplexität zu durchschauen und der ganze Produktivitätsfortschritt wird durch die undurchsichtige Bedienung wieder aufgefressen.“

Bödcher warnt vor einer bloßen Kopie der Windows-Welt: Zahlreiche geöffnete Fenster auf dem Bedienmonitor und Zusatzfunktionen, die für die Aufgabe gar nicht benötigt werden, seien typische Fehler. Der bessere Ansatz: Abhängig vom aktuellen Kontext bekommt der Nutzer nur die relevante Information angeboten – der Einrichter der Maschine sieht etwas anderes als der spätere Nutzer in der Produktion. Die Früchte der Forschung aus Kaiserslautern werden im Forum „Factory Automation“ gezeigt, unter dem Motto „Smart Factory KL“.

Auch auf der Messe zu sehen sind Anwendungsbeispiele des Ludwigsburger Usability-Spezialisten User- Interface Design zu sehen. Das Unternehmen hat etwa für Artis, Hersteller von Prozessüberwachungssystemen, und Fronius, Spezialist für Schweißtechnik, ergonomische Oberflächen zur Bedienung der höchst komplexen Apparate entwickelt. Und auch der Ditzinger Maschinenbauer Trumpf setzt auf das Know-how aus Ludwigsburg und bietet seine High-Tech-Maschinen inzwischen mit ergonomischer Bedienerführung an. „Usability ist heute viel mehr als ein bloßes Add-on“, sagt Andreas Beu, Manager Industry Solutions bei User Interface Design. „Für die Vorreiter der Branche ist sie ein wichtiges Instrument zur Markenpflege“.

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