Mensch-Maschine-Kommunikation
Das Roboter-Programm

Computer sind in die verschiedensten Bereiche unseres Lebens integriert und für unseren Alltag nahezu unverzichtbar geworden. Doch die Kommunikation mit ihnen geht immer noch sehr holprig von statten. Nun wollen Bielefelder Forscher Maschinen motorisch und intellektuell verbessern, damit sie nicht nur auf Sprachbefehle reagieren.

BIELEFELD. Computer steuern Flugzeuge und spielen Schach, Industrieroboter bauen Autos, andere spielen Fußball, und sprechende Navigationssysteme weisen den Weg. Unverzichtbar geworden sind Mikrochips und Apparate, die in Windeseile Unmengen von Variablen durchkalkulieren und dem Menschen Arbeiten abnehmen, die Zeit kosten würden. Professor Gert Rickheit findet Computer trotzdem ziemlich dumm. Rechnen können sie zwar, und das rasend schnell. Aber wenn man sich mit ihnen unterhalten will, muss man ganz simpel Null-Eins reden.

In der Mensch-Maschine-Kommunikation zieht der Mensch bislang den Kürzeren. Seitdem immer mehr Maschinen in Arbeits- und Alltagsprozesse integriert werden, wird das zum Problem - und eine Herausforderung für die interdisziplinäre Forschung. Rickheit ist Professor für Psycholinguistik an der Universität Bielefeld und Sprecher eines neu eingerichteten Sonderforschungsbereichs der Deutschen Forschungsgemeinschaft. "Alignment in Communication" heißt das Forschungsvorhaben, in dem Neurowissenschaftler, Psychologen, Linguisten und Informatiker zusammenarbeiten, um Mensch und Maschine einander näher zu bringen. Doch dazu ist erst einmal ein grundlegend neues Verständnis der Mensch-Mensch-Kommunikation vonnöten. Bislang hatte man bei deren Erforschung vor allem Sprache und "rational" gesteuerte Aushandlungsprozesse im Blick. Das sprichwörtliche Reden mit Händen und Füßen spielte keine Rolle.

"Kommunikation ist immer multimodal", erklärt Rickheit, "und die Reduktion von Kommunikation auf einen Kanal, zum Beispiel Sprache, ist auch nicht sinnvoll." Denn die kann durch Geräusche übertönt werden und hat zudem eine Eigenschaft, die Literatur und Dichtung zu Glanz verhift, aber eher hinderlich ist, wenn gemeinsam ein Problem gelöst werden muss: Sie ist oft vage und uneindeutig. "Doch unklare Sprache kann multimodal eindeutig gemacht werden", weiß Rickheit. Im realen Miteinander bekommt sie Hand und Fuß und ein Gesicht, das lächelt oder fragt. Dabei funktioniert die Verständigung so gut und so schnell, dass die Forscher sich fragten, wie das sein kann.

Entgegen früheren Theorien weiß man heute, dass grundlegende Prozesse der Verständigung genau wie Atmen und Gehen automatisch ablaufen. Kommunikation ist außerdem auch immer gemeinsame Sache - gleichzeitig und ohne große Diskussion - und einer gut funktionierenden Routine anheim gestellt, die menschliches Denken und Handeln in dem Moment synchronisiert, in dem gemeinsam ein Problem gelöst werden muss. Sei es in Konstruktionsteams, sei es angesichts stürzender Gegenstände oder während einer Konferenz, wenn einer, ohne nachzudenken, sofort das Wort parat hat, das der andere sucht.

Diese blitzschnelle automatische Abstimmung auf allen Kanälen nennen die Bielefelder Forscher "Alignment". Der Begriff stammt aus der Physik und meint beispielsweise die gleiche Ausrichtung von Lichtstrahlen zu einem Laser. Dieses automatische Alignment hat eine lange Geschichte, denn es ist notwendig fürs Überleben. Sprache allein wäre viel zu langsam.

Wie tief dem Menschen die multimodale Kommunikation eingeschrieben ist, wird beim Telefonieren deutlich. Es wird gestikuliert und grimassiert, selbst wenn der Gesprächspartner das nicht sieht. Voraussetzung guten Gelingens sind indessen gemeinsames Weltwissen und gemeinsames Anliegen. "Über Politik oder Werbung reden wir hier nicht", betont Rickheit. Wenn man sich aber verstehen will, dann klappt?s auch mit dem Alignment.

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