Milliarden-Schäden
Industrie wehrt sich gegen Plagiate

Produktfälscher machen den deutschen Maschinenbauern und ihrem Gütesiegel „Made in Germany“ immer stärker zu schaffen. Zwei Drittel der Unternehmen in der Investitionsgüterindustrie sind von Produkt- und Markenpiraterie betroffen, so das Ergebnis einer Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Diesem Treiben sieht man aber nicht mehr tatenlos zu.

HB FRANKFURT. Deutsche Industrieunternehmen setzten sich mittlerweile nach Einschätzung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erfolgreicher als früher gegen Produktfälscher zur Wehr. Alleine auf der weltgrößten Industrieausstellung Hannover Messe hätten sich rund zwölf Unternehmen beim ZVEI gemeldet, deren gegen Patent-, Namen, Marken- oder Geschmacksmusterrechte verletzt wurden, sagte Till Barleben, auf Produktpiraterie spezialisierter Rechtsanwalt beim ZVEI, im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Mehrere einstweilige Verfügungen gegen die Produktpiraten seien daraufhin erwirkt worden. Die Zahl der Verletzungen dürfte deutlich höher liegen, da Unternehmen mit eigenen Rechtsanwälten gegen Fälscher vorgehen und nach wie vor viele Tatbestände unentdeckt blieben, so Barleben.

Produktpiraterie ist in der Investitionsgüterindustrie inzwischen ein Massenphänomen und tritt vor allem auf Messen immer wieder zu Tage. Laut einer im Rahmen der Hannover Messe veröffentlichten Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) sind mehr als zwei Drittel der VDMA-Mitgliedsunternehmen von Produktfälschungen betroffen. „Die Produktpiraterie hat innerhalb des letzten Jahres deutlich zugenommen“, so VDMA-Präsident Dieter Brucklacher. Immer häufiger würden komplette Anlagen und nicht mehr nur Ersatzteile und Komponenten nachgebaut. Vor allem in Asien gebe es eine Flut von Fälschungen. „Alleine im vergangenen Jahr seien deutschen Maschinen- und Anlagenbauern durch Produktpiraterie Schäden von über 5 Mrd. Euro entstanden.

Der ZVEI beziffert den Schaden bei deutschen Unternehmen auf insgesamt rund 25 Mrd. Euro und ermuntert seine Mitglieder daher, verstärkt gegen die Produktfälscher vorzugehen. Dafür organisierte der Verband auf der Hannover Messe unter anderem einen anwaltlichen Notdienst, an den sich betroffene Unternehmen wenden konnten, um direkt gegen Anbieter von Plagiaten vorzugehen.

„Es zeigt sich, dass es lohnt“, so ZVEI-Anwalt Barleben mit Blick auf die ersten Messetage in Hannover. In einem Fall habe beispielsweise die Werma Signaltechnik GmbH auf dem Stand eines chinesischen Anbieters Produkte entdeckt, die gegen Schutzrechte des deutschen Unternehmens verstoßen. Vor Gericht wurde eine entsprechende einstweilige Verfügung durchgesetzt. Der Produktfälscher musste die Produkte vom Stand nehmen. In einem anderem Fall seien drei „namhafte Hersteller von explosionsgeschützten Betriebsmitteln“ koordiniert gegen einen Fälscher vorgegangen, der sich bei den Vorlagen für seine Produkte bei allen drei deutschen Anbietern bedient hatte. Die ansonsten im scharfen Wettbewerb stehenden Industriefirmen gingen nach gemeinsamer Beweissicherung mit Abmahnung und strafbewehrten Unterlassungs- bzw Verpflichtungserklärungen gegen die Fälscher vor.

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