Millionstel-millimeter-kleine Kristallstückchen schützen vor Fälschungen
Nanopartikel machen Geldscheine sicher

Absolut fälschungssicher sollten die Noten der multinationalen Währung sein. Und doch gelangen seit Monaten immer mehr Euro-Blüten in Umlauf, deren Qualität selbst Experten verblüfft. Die Notenbank suchen daher händeringend nach Methoden mit denen den Fälschern das Handwerk gelegt werden könnte. Neben winzigen Chips, die in die Geldscheine eingewebt werden, könnten leuchtende Nanopartikel in den Druckfarben den Euro künftig fälschungssicherer machen.

HAMBURG. „Die Nanopigmente lassen sich selektiv zur Fluoreszenz anregen. Nur unter einer definierten UV-Lichtquelle leuchtet die Tinte rot oder grün auf“, erläutert Fernando Ibarra, Chemiker und Vertriebsleiter des Hamburger Unternehmens Nanosolutions, die Idee. Mit einer kleinen, handelsüblichen Quecksilberdampflampe könnten Kassierer dann in einem Schnelltest zwischen Banknote und Blüte unterscheiden.

Die nur sieben Millionstel Millimeter (Nanometer) kleinen Kristallstückchen aus Lanthanphosphat – sie leuchten grün – oder das rote Yttrium-Vanadiumoxid zeigen bei genauerer Kontrolle sogar einen einzigartigen, spektralen Fingerabdruck. Durch Hinzufügen von ausgesuchten chemischen Elementen könnte das Leuchtspektrum der Nanoteilchen in der Farbe so exakt eingestellt werden, dass Blüten schnell und sicher erkannt werden, sagt der Chemiker.

Die Nanopartikel können nicht nachgemacht werden

Um Fälschungen zu entdecken, könnte das Analysegerät direkt in eine Geldzählmaschine integriert werden. Fehlt der spektrale Fingerabdruck, schlägt die Maschine Alarm. Ibarra ist sich sicher, dass dieses Sicherheitsmerkmal länger halten würde, als die Sicherheitmerkmale, die heute mit Fluoreszenzpigmenten auf die Euroscheine gedruckt werden. „Diese fluoreszierenden Pigmente gibt es im Chemiehandel zu kaufen, unsere Nanopartikel dagegen werden mit einem ausgeklügelten Verfahren produziert, so dass Fälscher keine Chance haben, dieses Sicherheitsmerkmal zu kopieren“, sagt der Vertriebsleiter von Nanosolutions.

Die Bundesdruckerei und der Gelddrucker Giesecke & Devrient planen nun erste Tests mit der neuen Sicherheitsfarbe. Auch auf der Münchener Fachmesse „Materialica“ stießen die Sicherheitspigmente der Hamburger auf großes Interesse. Hersteller von Farben für den Druck von Sicherheitsmerkmalen auf Pässen oder Firmen, die auf der Suche nach fälschungssicheren Prouktlabels sind, gehören zu den potenziellen Kunden. Bislang scheue die Industrie jedoch die zusätzlichen Kosten für diese Sicherungstechnik, sagt Ibarra.

Erste Produkte einer Zukunftstechnologie

Die Hamburger Firma ist ein Newcomer auf dem Markt. Die Nanosolutions GmbH wurde im Jahre 2000 gegründet. Inzwischen hat das Unternehmen eine kleine Produktion für die Herstellung der Sicherheitspigmente aufgebaut. „Damit produzieren wir zurzeit einige Kilo pro Woche“, sagt Ibarra. Das reicht zunächst aus, da man nur wenige Gramm benötigt, um eine Druckfarbe mit dem Sicherheitsmerkmal zu versehen.

In andere Dimensionen muss das Unternehmen investieren, wenn es wie geplant, in den Markt für Füllstoffe einsteigen wird. So hat Nanosolutions ein Verfahren entwickelt, mit dem es feine nonoskalige Bariumsulfat-Partikel herstellen könnte. Dieser Füllstoff, der auch von Sachtleben und Solvay hergestellt wird, erzeugt bei Farben und Lacken eine kräftigere Farbsättigung. „Wir untersuchen zurzeit die Marktchancen“, sagt Ibarra. Bei einer positiven Entscheidung sei daran gedacht, eine großtechnische Produktion von mehreren Hundert Tonnen pro Jahr aufzubauen.

Nanopartikel sind die ersten konkreten Produkte der viel beschworenen Zukunftstechnologie. Während die viele Ideen aus der Nanotechnik noch Zukunftsmusik sind, werden die winzigen Partikel schon in vielfältigen Produkten genutzt, ohne das der Kunde etwas davon merkt: Die Partikel verbessern die Eigenschaften von Reifen, schützen Autolacke vor Kratzern oder sorgen dafür das Hausfassaden nicht mehr verschmutzen. Auf nur fünf bis zehn Nanometer kleine Teilchen aus Siliziumoxid und einer teflonartigen Verbindung setzt beispielsweise das Saarbrückener Unternehmen Nanogate. Ziel ist eine Wasser und Schmutz abweisende Antihaftbeschichtung. Diese Partikel werden bereits in Produkten der Glas- und Keramikhersteller Duravit, Duscholux und Kerona verwendet.

Einen Hauch von High-Tech erhalten Nanopartikel bei der Zerstörung von Krebszellen. Forscher an der Berliner Charité haben in einem Pilotversuch kleinste Eisenpartikel in die Tumore von Patienten injiziert. Über ein äußeres Magnetfeld in Schwingung versetzt, heizen sie sich auf rund 44 Grad auf und verbrennen das kranke Gewebe. Bevor die „Wärmetherapie" mit Nanoteilchen im Alltag genutzt wird, muss sie jedoch weitere Tests bestehen.

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