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„Mini-Tsunami“ an spanischer Mittelmeerküste

Die Strände von Dénia waren fast menschenleer, die Urlauber in dem Badeort an der spanischen Mittelmeerküste saßen noch beim Frühstück. Plötzlich schien das Meer verrückt zu spielen. Das Wasser bäumte sich zu einer großen Welle auf, krachte über die Mole und überschwemmte einen Kirmesplatz.

dpa VALENCIA/MADRID. Die Strände von Dénia waren fast menschenleer, die Urlauber in dem Badeort an der spanischen Mittelmeerküste saßen noch beim Frühstück. Plötzlich schien das Meer verrückt zu spielen. Das Wasser bäumte sich zu einer großen Welle auf, krachte über die Mole und überschwemmte einen Kirmesplatz.

Der Meeresspiegel stieg um 1,40 Meter. Das Schauspiel wiederholte sich noch mehrmals. Abgesehen von ein paar zerrissenen Fischernetzen entstanden keine Schäden. Aber den Experten lässt dieser Vorfall vor einer Woche bis heute keine Ruhe.

War die Badeküste zwischen Valencia und Alicante, wo Tausende von Touristen ihre Ferien verbringen, Schauplatz eines Mini-Tsunami? Mehrere Wissenschaftler wie die Meeresforscher Millán Millán oder Javier Alcántara hatten keine Zweifel: Die Flutwelle konnte nur durch ein Beben ausgelöst worden sein. Ein Ansteigen des Meeresspiegels um über einen Meter ist am Mittelmeer völlig ungewöhnlich. Normalerweise liegt der Gezeitenunterschied bei etwa zwölf Zentimetern.

Vier Stunden vor der Flutwelle, die in geringerem Ausmaß auch in Xàbia und anderen Badeorten der Region festgestellt wurde, hatte es in Algerien ein Erdbeben der Stärke 3,5 gegeben. Hatte dies den Mini- Tsunami ausgelöst? Emilio Carreño, Direktor der spanischen Erdbebenwarte, hält dies für eher unwahrscheinlich: „Erstens hatte das Beben in Algerien sein Epizentrum auf dem Festland, zweitens war es zu schwach, und drittens passte die Zeit nicht.“

Möglicherweise habe das Beben aber eine Verschiebung auf dem Meeresgrund ausgelöst, die ihrerseits die Flutwelle verursachte. Der Zufall wollte es, dass wenige Tage zuvor in der Fachzeitschrift „Marina Civil“ der französische Experte Michel de Villeneuve eindringlich dazu aufgerufen hatte, am Mittelmeer ein Tsunami- Warnsystem zu installieren. Zehn Prozent der Tsunamis in aller Welt würden im Mittelmeer registriert.

Mit den jetzt vorhandenen Mitteln könnte im Falle einer riesigen Flutwelle in Spanien nach Angaben von Carreño mit einer Vorlaufzeit von 30 Minuten Alarm geschlagen werden. So viel Zeit hätten Einheimische und Urlauber, um sich in Sicherheit zu bringen, sagt der Chef der Erdbebenwarte. In Spanien gebe es zwei Gebiete, die potenziell Tsunami-gefährdet seien: die Mittelmeerküste und die südspanische Atlantikküste bei Huelva und Cádiz. Am Mittelmeer kämen Flutwellen häufiger vor, seien aber relativ klein. Zuletzt hatte vor zwei Jahren ein Tsunami auf Mallorca und Menorca erhebliche Schäden an Booten und Yachten angerichtet.

„Wenn es in Spanien eine wirklich verheerende Flutwelle gibt, dann ist sie nur am Atlantik zu erwarten“, meint Carreño. „Die Gefahr ist vorhanden, aber es kann auch sein, dass wir und die nächsten Generationen so etwas nicht erleben werden.“ Zuletzt waren im Jahr 1 755 in Cádiz und Huelva 2000 Menschen von einer Flutwelle getötet worden. Die Welle war von dem Beben ausgelöst worden, das Portugals Hauptstadt Lissabon zerstört hatte.

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