Miniaturisierte Bauteile und Sensoren sorgen für Sicherheit, Kostensenkung und weniger Abfa
Mikrosysteme möbeln Produkte auf

Nirgendwo in Dortmund wird der Kontrast zwischen Vergangenheit und Zukunft deutlicher als auf dem alten Stahlkochergelände Phoenix West. Auf der einen Seite stehen die stillgelegten, mehrere Wohnblocks großen Hochöfen. Jahrzehnte lang ernährten sie Tausende von Stahlarbeitern, heute rosten sie vor sich hin. Auf der anderen Seite des Areals wächst die neue Hoffnung der Stadt: Eine Forschungseinrichtung mit dem Namen MST.factory. Hier entsteht eine Mikrostruktur-Fabrik.

DORTMUND. Schon im Februar 2005 werden hier die Köpfe von Entwicklern rauchen. Sie arbeiten an Produkten mit Strukturen, die deutlich kleiner sind als der Durchmesser eines Kopfhaares.

Mikrosystemtechnik heißt das Arbeitsgebiet, das jedes Jahr zweistellig wächst und mittlerweile rund 1 600 Menschen am Standort Dortmund beschäftigt. Um diese Entwicklung unter Dampf zu halten, haben Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft in einem gemeinsamen Projekt die MST.factory auf den Weg gebracht. Hier können sich junge Firmen einmieten und so die hohen Anfangskosten in der Forschung reduzieren. „Die Unternehmen werden drei bis fünf Jahre bleiben und ihre Produktion dann in neuen Gebäuden auf dem Gelände aufnehmen", erläutert Hans-Rudolf Folle, Geschäftsführer der MST.factory, das Konzept.

Ideen für neue Anwendungen gibt es reichlich. Denn immer mehr Geräte werden mit Mikrosystemen ausgestattet: Autos, Waschmaschinen – ja sogar Spielzeugeisenbahnen. „Meist merkt der Verbraucher gar nicht, wie viele verschiedene Mikrosysteme für ihn als Heinzelmännchen im Hintergrund arbeiten“, sagt Hans Rump, Geschäftsführer der E.T.R. GmbH. Der Erfinder gehört zu den etablierten Innovatoren in der Dortmunder Szene, hält rund 200 Patente in der Mikrosystemtechnik und hilft seinen Kunden dabei, ganz konventionelle Produkte wettbewerbsfähiger zu machen.

Zum Beispiel in der Sanitärtechnik. Für den Toilettenhersteller Keramag entwickelte Rump ein berührungsloses Urinal-Spülsystem, das durch die Wärme der eingeleiten Flüssigkeit aktiviert wird. Ein stecknadelkopfgroßer Sensor registriert den Temperaturunterschied und leitet nach rund 18 Sekunden den Spülvorgang ein. Vorteil des Systems: Die in Kondensatoren gespeicherte Energie für den Sensor stammt aus einem Minigenerator, der vom Wasserfluss angetrieben wird. Rump: „Wir haben das Perpissuum Mobile erfunden. Unter normalen Umständen versorgt sich das System selbst.“

Bekannt ist das Dortmunder Unternehmen auch für seine Luftgüte- Sensoren, die das Umluftsystem in Autos regulieren. Neue Anwendungsgebiete lassen nicht lange auf sich warten. Vor allem in der Belüftung von großen Gebäuden stecken noch viele Einsatzmöglichkeiten, ist Rump überzeugt: „Wie beim Heizungsthermostat könnten Klimasensoren die Belüftung in Schulen oder Flughäfen in Zukunft automatisch regulieren.“ Dazu bietet der Mittelständler eine zusätzliche Lösung an: die Luftaufbereitung nach dem Prinzip des reinigenden Gewitters. In einem miniaturisierten Bauteil sorgen Plasmaentladungen dafür, dass die Luft von Keimen und Gerüchen befreit wird. „Die Luft wird nicht einfach nach Außen geleitet, sondern im System gehalten“, erklärt Rump. Das spart Kosten für die Heizung und Klimatisierung. Pilotversuche im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen einen um 30 Prozent geringeren Energieaufwand.

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