Minus 93 Grad Celsius
Forscher entdecken neuen Kältepol der Erde

Die russische Antarktis-Station Vostok hat ihren Status als kältester Punkt der Erde verloren. US-Wissenschaftler haben einen neuen Kältepol in der Antarktis identifiziert. Die Daten dazu kamen aus dem All.
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DüsseldorfDie Antarktis bleibt der Kontinent der Kälterekorde: Mit Hilfe moderner Satelliten haben Nasa-Forscher den kältesten Punkt der Erde bestimmt – eine Region im Gebiet des Ostantarktischen Plateaus. Im August 2010, das belegen die Satellitendaten, fiel die Temperatur hier auf minus 93,2 Grad Celsius. Damit lag sie vier Grad unter dem bisherigen Rekordwert, der im Jahr 1983 ebenfalls in der Antarktis nahe der russischen Forschungsstation Vostok gemessen worden war.

Die Forscher um Ted Scambos vom National Snow and Ice Data Center in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) analysierten Satellitendaten aus mehr als 30 Jahren. Dabei erwies sich das Gebiet zwischen zwei Gipfeln auf dem Ostantarktischen Plateau als wahrer Kältepol: Immer wieder sank hier die Temperatur auf Werte unter minus 80 Grad Celsius.

„Wir hatten die Vermutung, dass dieses Gebiet sogar kälter als die Vostok-Region sein könnte, weil es höher liegt“, so Scambos, der seine Ergebnisse vergangenen Montag auf der Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in San Francisco präsentierte. Bestätigt wurde diese Annahme durch Daten des im vergangenen Februar gestarteten Nasa-Satelliten Landsat 8.

„Mit diesem Satelliten hatten wir das passende Werkzeug, um das Gebiet mit großer Genauigkeit untersuchen zu können“, so Scambos. So enthüllten die Landsat-Daten etwa, dass der neue Kälterekord 2013 beinahe noch einmal unterboten worden wäre: Am 31. Juli sank die Temperatur im Beobachtungsgebiet auf minus 93 Grad Celsius.

Die Forscher erklären die Rekordkälte mit der besonderen Beschaffenheit der Landschaft: In Bodensenken wird kalte Luft regelrecht eingefangen und kühlt sich über dem schneebedeckten Boden immer weiter ab. Genau dies passierte im August 2010: Die nach einigen klaren Winternächten extrem kalte Luft strömte in die Bodensenken und verharrte dort, wobei sie ihre noch vorhandene Restwärme verlor.

„Dadurch, dass die Luft über einen längeren Zeitraum dort verharrte und immer mehr Wärme abgab, sank die Temperatur schließlich auf den Rekordwert, den wir gemessen haben“, so Scambos, der über die Fähigkeiten von Landsat 8 regelrecht ins Schwärmen gerät: „Mit diesem Satelliten haben wir einen sehr genauen Sensor, der uns alle Arten von Informationen liefern kann über die Beschaffenheit der Erde und darüber, wie der Klimawandel die Oberfläche, die Ozeane und die Eispanzer der Erde beeinflusst. Dieser Kälterekord war nur der Auftakt der Entdeckungen, die wir noch von Landsat 8 erwarten dürfen.“

Thomas Trösch
Thomas Trösch
Handelsblatt / Redakteur Wissenschaft + Technik

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