Mission Rosetta
Alles bereit für den Ritt auf dem Kometen

Gelingt dem Kometenjäger Rosetta das noch nie Gewagte? Am Mittwoch will Europas Weltraumbehörde Esa mit der ersten Landung eines von Menschen gebauten Raumfahrzeugs auf einem Kometen Geschichte schreiben.
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BerlinMehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt will Europa am Mittwoch Raumfahrtgeschichte schreiben: Erstmals soll eine Forschungssonde weich auf einem Kometen aufsetzen. Die Landung auf Komet 67P/Tschurjumov-Gerasimenko markiert den spektakulären Höhepunkt der europäischen Kometenjägermission Rosetta – wenn sie denn gelingt. Denn mit Rosetta betreten die Wissenschaftler Neuland.

„Auf dem Kometen erwartet uns eine völlig unbekannte Umgebung“, sagt Rosetta-Flugdirektor Andrea Accomazzo von der europäischen Weltraumagentur Esa. Nach gut zehn Jahren Reise durch das Sonnensystem hatte die Rosetta-Sonde mit der Landeeinheit Philae an Bord am 6. August ihren Zielkometen erreicht, den Wissenschaftler kurz Tschuri nennen.

Dessen Erforschung könnte einen Schlüssel zum Verständnis der Entstehung von Sonne und Planeten liefern. Denn in Kometen ist ursprüngliches Material konserviert, aus dem sich unserer Sonnensystem vor 4,6 Milliarden Jahren gebildet hat. Vielleicht können die Schweifsterne sogar die Frage nach dem Ursprung des Lebens beantworten.

Bislang lief die Rosetta-Mission nach Plan: Zehn Jahre ist Rosetta nun schon unterwegs, hat mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Die Raumsonde war am 2. März 2004 mit einer Ariane-5-Rakete von der Weltraumstation Kourou in Französisch-Guayana gestartet, Philae huckepack dabei. Die Sonde schwenkte im August in eine Umlaufbahn um Tschuri ein und umkreist seither den zweigeteilten kosmischen Brocken, dessen Aussehen ein wenig an ein Quietsche-Entchen erinnert.

„Auch nach einem Jahrzehnt im All arbeitet die Sonde einwandfrei“, berichtet Missions-Manager Fred Jansen. Nun allerdings steht die Landung von Philae bevor und damit die risikoreichste Operation der insgesamt 1,3 Milliarden Euro teuren ESA-Mission.

Beim ausgewählten Landeplatz, der kürzlich den Namen Agilkia erhielt, handele es sich zwar um „relativ flaches Gelände“, sagt Philae-Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Doch die Beschaffenheit des Kometenbodens kennen die Forscher bisher nicht. „Das Aufsetzen wird eine große Herausforderung sein.“

Bereits seit eineinhalb Wochen führt die Rosetta-Muttersonde Flugmanöver aus, um sich in die richtige Flugbahn für die Abtrennung des Philae-Minilabors zu bringen. Die entscheidende Landephase beginnt am heutigen Dienstagabend. Dann werden die ESA-Spezialisten die erste von insgesamt fünf wichtigen Entscheidungen über die Fortsetzung des Landevorgangs treffen müssen.

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