Mission Rosetta
Auch Captain Kirk drückte Philae die Daumen

Die erste Landung auf einem Kometen kann die europäische Weltraumbehörde Esa als großen Erfolg verbuchen – auch wenn der Lander Philae offenbar auf wackligen Beinen steht. Die Mission zog auch Captain Kirk in ihren Bann.
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BerlinDie Russen waren die ersten im All, die Amerikaner die ersten auf dem Mond – und die Europäer sind die ersten auf einem Kometen. Um 17.03 Uhr brandete am Mittwoch tosender Beifall auf im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt: „Der Lander ist auf der Oberfläche“, rief Rosetta-Flugdirektor Andrea Accomazzo den Zuschauern zu. „Der Lander“ – das ist das Landemodul Philae der Esa-Kometenmission Rosetta. Kurz zuvor war Philae als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf einem Kometen gelandet.

Doch nach der Jubelstimmung kam rasch ein erster Dämpfer: Die Landung des Mini-Labors auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko („Tschuri“) verlief nicht ganz so planmäßig wie zunächst angenommen. Zwei Harpunen, mit denen sich Philae sicher auf Tschuri verankern sollte, wurden nicht ausgelöst. Zudem funktionierte eine Düse nicht, die den Lander beim Aufsetzen gegen den Boden drücken sollte.

Wie der Leiter des Landemanövers, Stephan Ulamec, mitteilte, deuten von Philae übermittelte Daten auf eine unsanfte Landung hin. Das Gerät von der Größe einer Waschmaschine sei möglicherweise wie ein Ball auf der Kometenoberfläche aufgesprungen, habe sich etwas gedreht und dann erneut aufgesetzt. „Wir sind also zweimal gelandet“, so Ulamec im Scherz. Die Daten müssten noch vollständig ausgewertet werden, um alles nachvollziehen zu können.

Das Aufsetzen auf dem Kometen galt im Vorfeld der Landung als größtes Problem, vor allem wegen der unklaren Bodenbeschaffenheit. Die Oberfläche des Kometen stellte sich nach ersten Daten als eher weich heraus. An vielen Stellen ist der Himmelskörper mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt aber auch hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Der Chef des Esa-Flugbetriebs im Satelliten-Kontrollzentrum in Darmstadt, Paolo Ferri, geht davon aus, dass Philae trotz der fehlenden Harpunen-Verankerung auf dem Kometen bleiben wird. Die Sonde habe in den ersten Stunden nach der Landung bereits wichtige Daten sammeln können, sagte Ferri. Neben Fotos sei es etwa gelungen, das Tomographie-Projekt Consert zu starten. Dabei durchleuchten Philae und Rosetta den Kometen in Teamarbeit.

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