Forschung + Innovation
Mit Insekten gegen Cholera: Forscher entwickeln neue Medikamente

Das robuste Immunsystem von Insekten wollen Gießener Forscher bei der Entwicklung einer neuen Medikamentenklasse gegen Cholera und Wundbrand nutzen.

dpa GIEßEN. Das robuste Immunsystem von Insekten wollen Gießener Forscher bei der Entwicklung einer neuen Medikamentenklasse gegen Cholera und Wundbrand nutzen. In Raupen der Großen Wachsmotte - einem Schmetterling - entdeckten die Wissenschaftler einen Hemmstoff, der ausschließlich bestimmte hochgiftige Enzyme von Krankheitserregern blockiert.

Das sagte der Insektenforscher Prof. Andreas Vilcinskas am Mittwoch. Über die Arbeit berichtet die Zeitschrift „National Geographic Deutschland“ in ihrer Juli-Ausgabe.

Die Insektenkundler untersuchen nun die Larven von Mistbienen, die zu den Fliegen zählen. Die so genannten Rattenschwanzlarven leben in Jauchegruben und ernähren sich von Faulschlamm - und benötigen daher eine hocheffiziente Abwehr gegen Bakterien und Pilze. „Wir testen, ob die Moleküle, mit denen sich Insekten - die artenreichste Tiergruppe - verteidigen, für die Medizin nutzbar sind“, erklärte der 41-Jährige. Schließlich seien viele Bakterien bereits resistent gegen Antibiotika.

Die Struktur der Inhibitoren ist nach Vilcinskas' Darstellung bisher völlig unbekannt. Die Forscher wollen daher die Proteine, die gegen die Enzyme aber auch gegen die kompletten Bakterien und Pilze wirken, isolieren. Die Moleküle könnten vermutlich nicht nur die Enzyme von Cholera und Wundbrand hemmen, sondern auch von Anthrax (Milzbrand) und Botulismus, einer bakteriellen Lebensmittelvergiftung, sagte der Professor für Entomologie (Insektenkunde). Bis zur Entwicklung neuer Antibiotika könnten jedoch noch bis zu zehn Jahre vergehen. „Das ist nichts, was morgen oder übermorgen in der Apotheke steht.“

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