Forschung + Innovation
Mit Sauriern im Wald von Liaoning

Dämmerung legt sich über die Gingko- und Pinienbäume in Liaoning. Vögel mit fledermausähnlichen Flügeln gleiten zwischen den Bäumen umher. Fische und Schildkröten schwimmen in einem Teich, und kleine Waldtiere suchen nach Nahrung.

dpa NEW YORK. Dämmerung legt sich über die Gingko- und Pinienbäume in Liaoning. Vögel mit fledermausähnlichen Flügeln gleiten zwischen den Bäumen umher. Fische und Schildkröten schwimmen in einem Teich, und kleine Waldtiere suchen nach Nahrung. So haben US-Paläontologen den Lebensraum der Dinosaurier im Osten Chinas vor 130 Mill. Jahren rekonstruiert.

Liaoning, wie die Region heute heißt, ist eine der wichtigsten Saurier-Fundstätten weltweit. Sie wurde erst vor rund zehn Jahren entdeckt. Ein detailgenaues Modell dieses Ökosystems stellen Paläontologen jetzt in New York vor. „Dinosaurier: Alte Fossilien, neue Entdeckungen“ heißt die Ausstellung im Museum für Naturgeschichte.

Bis heute sind nur wenige Erkenntnisse über Dinosaurier endgültig gesichert. Gerade das macht diese Schau spannend. Aufbauend auf den Funden Mill. Jahre alter Fossilien und Abdrücke haben die Forscher Computersimulationen entwickelt, die einen Einblick in die Bewegungen der ausgestorbenen Tiere geben. Das können die Besucher selbst ausprobieren.

Vor dem lebensgroßen Modell eines Tyrannosaurus rex sind Touchscreens angebracht. Ein Fingerdruck genügt, um die Muskelmasse und Beinposition des gigantischen Raubtieres auf dem Bildschirm zu verändern. So lässt sich testen, ob der „T-Rex“ mit gestreckten Beinen wie ein Elefant oder mit angewinkelten Beinen wie ein Strauß lief.

Die Kombination der beiden Größen erlaubt den Schluss, wie schnell sich das Urgeschöpf fortbewegte. Auf immerhin rund 70 Kilometer pro Stunde könnte der Tonnen schwere, zwölf Meter lange und fast vier Meter hohe Fleischfresser beschleunigt haben, meinen die Forscher.

Das Knochengerüst eines Apatosaurus können Besucher in New York schon seit fast 100 Jahren bestaunen. Dieser Saurier fällt durch seinen enorm langen Hals und den Schwanz von der Länge eines Busses und dem Gewicht von drei Konzertflügel auf. Jetzt laden dreidimensionale Simulationen ein, seinen Halsbewegungen mit denen einer Giraffe zu vergleichen.

Und wie starben die Dinosaurier aus? Der Einschlag eines Asteroiden vor 65 Mill. Jahren gilt als wahrscheinlichste Ursache. Doch werden auch ein enormer Vulkanausbruch oder ein globaler Klimawandel nicht ausgeschlossen. Manche Paläontologen vermuten, dass die Dinosaurier gar nicht vollständig ausgestorben sind, sondern sich in Vögeln fortpflanzten.

Belege für die Vogel-These haben die Forscher auch in Liaoning gefunden, eine Tagesreise von Peking entfernt: Einen Vorfahren des „T-Rex“, der ganz offensichtlich einmal mit Federn bedeckt war, sowie ein Fossil in der typischen Ruhehaltung von Vögeln, den Kopf unter eine Flügel gesteckt.

Die Ausstellung wurde gemeinsam von Forschern des traditionsreichen New Yorker Museums und Kollegen aus Chicago, San Francisco, Houston und Raleigh zusammengestellt. Sie ist noch bis zum 8. Januar 2006 in New York zu sehen. Danach wandert sie durch die USA und könnte möglicherweise auch nach Europa kommen, letzteres steht aber noch nicht fest.

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