Forschung + Innovation
Mit Viren und Maden gegen chronische Wunden

Etwa dreieinhalb Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Wunden, die oft mit Bakterien infiziert sind. Neue Hilfen versprechen sich Experten von Biotherapien mit Maden oder Bakterien tötenden Viren, den so genannten Bakteriophagen.

dpa NEU-ULM. Etwa dreieinhalb Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Wunden, die oft mit Bakterien infiziert sind. Neue Hilfen versprechen sich Experten von Biotherapien mit Maden oder Bakterien tötenden Viren, den so genannten Bakteriophagen.

„Bakteriophagen sind eine sehr natürliche Form der Therapie, die längst nicht so gefährlich ist, wie sie sich anhört“, sagte Wim Fleischmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Ludwigsburg-Bietigheim-Kliniken, in einem dpa-Gespräch. Die Sicherheit müsse aber noch weiter untersucht werden.

Während Patienten mit chronischen Wunden bereits seit Jahren erfolgreich mit Maden behandelt werden, ist eine Therapie mit Bakteriophagen weder in Europa noch in den Vereinigten Staaten zugelassen. Anders in den Ländern des ehemaligen Ostblocks, wie Polen, Russland und Georgien: Hier gibt es nach Angaben Fleischmanns bereits so genannte Bakteriophagenbanken, in denen eine Vielzahl unterschiedlicher Bakteriophagenstämme gelagert werden. Diese sind jederzeit für die Behandlung von Infektionen einsetzbar.

Bakteriophagen seien natürlicherweise im Menschen zu finden und zudem „Garanten des mikrobiologischen Gleichgewichts“. Sie könnten das Wirkungsspektrum der Antibiotika erweitern, sie teilweise ersetzen oder bei manchen Infektionen sogar eine bessere Behandlung bieten. Um Risiken zu vermeiden, sei eine professionelle Produktion und Qualitätskontrolle erforderlich.

Um die Biotherapie in Deutschland bekannter zu machen und Forschungsnetzwerke zu knüpfen, treffen sich an diesem Freitag und Samstag (3./4. Dezember) rund 200 Experten aus Europa, USA, Israel, Russland und Georgien in Neu-Ulm. Die von Fleischmann gegründete, gemeinnützige „Gesellschaft für Biologische Therapie e.V. (Gfbt)“ veranstaltet diesen ersten international besetzten Kongress. Ziel der Gesellschaft sei es eine seriöse Forschung zu unterstützen und auch mögliche Gefahren herauszuarbeiten.

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