Mitarbeiter können sämtliche Pläne online abrufen
Tablet PCs optimieren die Arbeit der Haustechniker

Die Zeiten, in denen sich die Techniker am Flughafen München für jeden Einsatz große Gebäudepläne aus Papier ausdrucken mussten, gehen zu Ende. Seit einigen Wochen testet Deutschlands zweitgrößter Airport so genannte Tablet PCs. Über die ausgesprochen leichten und sehr flachen Computer können die Mitarbeiter auf dem riesigen Gelände jederzeit alle Gebäudepläne abrufen und sich damit lange Wege sparen.

MÜNCHEN. "Unsere Anwender sind mit dem neuen System sehr zufrieden“, betont Wolfgang Haller, Chef der Technischen Dokumentation des Münchener Flughafens. Acht der modernen, leistungsstarken Tablet PCs hat Haller vor einigen Wochen an verschiedene Abteilungen verteilt. Schon jetzt stehe fest, dass sich der Anschaffungspreis von knapp 2 000 Euro pro Gerät und von rund 800 Euro für die jeweilige Software schnell rechnen werde.

Die neuen mobilen Computer machen die Arbeit der Techniker wesentlich effizienter. Denn wenn die Spezialisten kaputte Überwachungskameras oder Glühbirnen austauschen wollen, müssen sie oft viele Kilometer zurücklegen. Bislang haben sich die Beschäftigten die entsprechenden Bau- oder Schaltpläne ausgedruckt, bevor sie zum Einsatzort gefahren sind. Das hat viel Zeit gekostet und hatte einen Nachteil: „Irgendein Plan hat im Laufe des Tages immer gefehlt. Und dann mussten die Leute wieder zurück ins Büro“, erklärt Haller. Zudem konnten die Techniker Änderungen an den Plänen lediglich per Hand eintragen. Wollten sie Reparaturaufträge an andere Abteilungen weiter geben, so mussten die Pläne kopiert und dann gefaxt werden.

Damit ist jetzt Schluss. Auf die Tablet PC können sich die Spezialisten alle nötigen Pläne vom zentralen System herunterladen und vor Ort problemlos abrufen. Änderungen geben die Techniker mit einem Stift ein. Die Tablet PC haben keine Tastatur, dafür erkennen sie mühelos Handschriften. Störungsmeldungen können so in Sekunden aufgenommen und an Kollegen verschickt werden.

Die Techniker können sich allerdings nicht überall am Flughafen ins System einwählen. Nur die für Passagiere zugänglichen Bereiche und die Flächen außerhalb der Gebäude sind mit Funknetzen ausgestattet.

Zwei Jahre lang hat der Airport den Einsatz der mobilen Computer vorbereitet. Zusammen mit der Technischen Universität München hat die IT-Abteilung zunächst eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht. Das Ergebnis: In den meisten getesteten Prozessen wird der Zeitaufwand durch die mobilen Geräte sinken. Zunächst waren Taschencomputer, so genannte PDAs, an Stelle von Tablet PCs im Gespräch. PDAs haben aber den Nachteil, dass sie mit einem anderen Betriebssystem arbeiten als der Rest der Flughafencomputer. Deshalb fiel die Wahl schließlich auf den Tablet PC.

Das Gebäudemanagement ist nicht der einzige Bereich, in dem der Münchener Flughafen auf mobile Computer setzt. „Wir betreiben eine Vielzahl mobiler Anwendungen im Bereich der Disposition und Koordination der Vorfeldfahrzeuge, wie etwa der Fluggastbusse, Gepäckschlepper, Push-Back- und Enteisungsfahrzeuge“, sagt Michael Zaddach, IT-Chef des Airports.

Die IT-Industrie hofft, dass sich Anwendungen wie die am Flughafen München rasch auch in anderen Bereichen durchsetzen. Die auf den Tablet PCs am Airport eingesetzten Grafikprogramme seien in vielen Bereichen, vor allem am Bau, zu verwenden, betont Thomas Borchert, Manager des amerikanischen Software-Spezialisten Autodesk.

Die Hardware kommt vom deutschen Marktführer Fujitsu Siemens Computers. Deutschlandchef Ulrich Kemp: „Tablet PCs entwickeln sich zwar bei weitem nicht so rasant, wie das einmal vorhergesagt wurde, aber sie entwickeln sich gut.“ Flughafenmanager Haller will in den nächsten Monaten das System weiter testen. Dann soll eine Entscheidung fallen, ob zusätzliche Geräte angeschafft werden.

Miniaturisierung in der Rechnerwelt

Notebooks: Tragbare Computer werden immer flacher und leichter. Sie sind inzwischen genauso leistungsfähig wie ihre Brüder auf dem Schreibtisch und sind der ideale Zweit-PC.
Tablet PC: Beim Tablet PC sind Rechner und Bildschirm zu einem Gerät verschmolzen. Sie werden wie ein PDA mit Stift oder integrierter Tastatur bedient. Die Geräte eignen sich für die Visualisierung in Museen oder für die Datenerfassung im Lager.
PDA: Die kleinen Handcomputer haben ihre Nische gefunden. Sie erleichtern die Terminplanung und werden zunehmend in Kombination mit einem Handy zum Routenplaner.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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