Mondmobil LRV
Mit dem Auto über den Mond

Mit einem Klebeband konnte der bisher einzige Autounfall außerhalb der Erde behoben werden. Der Weg zum ersten Auto, das über einen fremden Himmelskörper fuhr, war ein wenig komplizierter – und deutlich teurer.
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Vor 45 Jahren lockte eines der größten Abenteuer der Menschheitsgeschichte rund 600 Millionen Menschen rund um den Globus vor die Fernsehempfänger. Der amerikanische Astronaut Neil Armstrong betrat als erster Mensch die Oberfläche eines anderen Himmelskörpers.

Doch die Landung auf dem Mond am 20. Juli 1969 war im wahrsten Sinn des Wortes nur ein erster Schritt. Während Armstrong mit seinem Kollegen Buzz Aldrin den Erdtrabanten erkundete, hatte die Entwicklung für das ungewöhnlichste und teuerste Auto aller Zeiten gerade begonnen. Ab Apollo 15 sollten sich die Männer im Mond bequem per Auto fortbewegen dürfen.

Das Automobil ist das das einzige Fahrzeug mit vier Rädern, das schon Menschen auf mehr als einem Himmelskörper transportiert hat. Der Name dieses Mobils wurde nüchtern und sachlich gewählt: „Lunar Roving Vehicle“ - kurz LRV. Das wohl ungewöhnlichste Auto aller Zeiten führte kein offizielles Herstelleremblem und entstand in nur 17 Monaten Entwicklungszeit.

Zehn Tage vor dem historischen Abenteuer der Astronauten Armstrong und Aldrin, am 11. Juli 1969, hatten bei General Motors die Entwicklungsarbeiten für das LRV begonnen. Auftraggeber war der Luft- und Raumfahrtgigant Boeing. Das Fahrzeug sollte am 1. April 1971 zur Verfügung stehen und 19 Millionen Dollar kosten. Dank der Fertigung der drei Exemplare des „Lunar Roving Vehicle“ durfte sich der amerikanische Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing letztendlich sogar in die lange Liste der Autobauer einreihen.

Radikale Leichtbaulösung

Den Zeitrahmen konnten die Entwickler einhalten, die Kosten fuhren davon. Als das LVR das Laufen gelernt hatte, hatten sich die Kosten auf 38 Millionen Dollar verdoppelt.

Dabei hatte sich der deutsche Raketenforscher und „Vater der Mondrakete Staturn V“, Wernher von Braun, bereits 1954 erste Gedanken über ein Mondauto gemacht. Er postulierte für eine sechswöchige Mondmission ein zehn Tonnen schweres Vehikel. Ein vollkommen falscher Ansatz, denn der Energieaufwand, der erforderlich war, Material von der Erde zum Mond zu befördern, diktierte eine radikale Leichtbaulösung. Letztlich musste das Fahrzeug am Einsatzort ja auch nur ein Sechstel der Erdschwerkraft überwurden werden.

Die GM-Techniker entwickelten ein 3,10 Meter langes Fahrzeug mit 2,30 Meter Radstand. Die gesamte Konstruktion aus Leichtmetall wog lediglich 210 Kilo. Die Zuladung auf dem Mond betrug 490 Kilo. Auch die war messerscharf kalkuliert, denn alleine 353 Kilo entfielen auf die beiden Astronauten mit ihren Lebenserhaltungssystemen, 45,4 Kilo auf die Kommunikationsausstattung, 54,5 Kilo auf die wissenschaftliche Nutzlast. Für Gesteinsproben blieben 27,2 Kilo.

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