Mondmobil LRV Mit dem Auto über den Mond

Mit einem Klebeband konnte der bisher einzige Autounfall außerhalb der Erde behoben werden. Der Weg zum ersten Auto, das über einen fremden Himmelskörper fuhr, war ein wenig komplizierter – und deutlich teurer.
  • Rufus Kowalski
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  • Spotpress
Vor 45 Jahren: Start der Mondrover-Entwicklung - 38 Millionen Dollar für 90 Kilometer Quelle: Nasa
Ein Rekord für die Ewigkeit?

Der Geschwindigkeitsrekord auf dem Mond liegt bei 18,9 km/h. Ein Rekord für die Ewigkeit? Derzeit sind jedenfalls keine neuen bemannten Mondmissionen geplant.

Vor 45 Jahren lockte eines der größten Abenteuer der Menschheitsgeschichte rund 600 Millionen Menschen rund um den Globus vor die Fernsehempfänger. Der amerikanische Astronaut Neil Armstrong betrat als erster Mensch die Oberfläche eines anderen Himmelskörpers.

Doch die Landung auf dem Mond am 20. Juli 1969 war im wahrsten Sinn des Wortes nur ein erster Schritt. Während Armstrong mit seinem Kollegen Buzz Aldrin den Erdtrabanten erkundete, hatte die Entwicklung für das ungewöhnlichste und teuerste Auto aller Zeiten gerade begonnen. Ab Apollo 15 sollten sich die Männer im Mond bequem per Auto fortbewegen dürfen.

Das Automobil ist das das einzige Fahrzeug mit vier Rädern, das schon Menschen auf mehr als einem Himmelskörper transportiert hat. Der Name dieses Mobils wurde nüchtern und sachlich gewählt: „Lunar Roving Vehicle“ - kurz LRV. Das wohl ungewöhnlichste Auto aller Zeiten führte kein offizielles Herstelleremblem und entstand in nur 17 Monaten Entwicklungszeit.

Im Auto über den Mond
Im Auto über den Mond
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Selbst bekennenden Oldtimer-Fans dürfte die Markenbezeichnung LRV wenig sagen - trotzdem würden zahlungskräftige Liebhaber für die unter diesem Kürzel bekannten Fahrzeuge wohl astronomische Summen bezahlen. LRV steht für Lunar Roving Vehicle - die Nasa-Bezeichnung für jene Mond-Autos, die auf den letzten Mondmissionen des Apollo-Programms (Apollo 15 - 17) zum Einsatz kamen. Zum ersten Mal düste am 30. Juli 1971 ein Astronaut auf vier Rädern über den Erdtrabanten.

Astronaut John Young mit dem Apollo-16-Auto
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Insgesamt wurden drei Mondmobile zum Erdtrabanten gebracht - wo sie bis heute stehen.

Unfallschaden auf dem Mond
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Die Mondbesucher Eugene Cernan und Harrison Schmitt von Apollo 17 dürfen für sich in Anspruch nehmen, den ersten Unfallschaden auf einem anderen Himmelskörper repariert zu haben. Dabei wurde ein abgerissener Kotflügel mit Klebeband fixiert - ein erstaunlich haltbares Provisorium.

Parkraum im Übermaß
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Um ein sehr irdisches Problem mussten sich die Astronauten nicht kümmern: Parkraum gab es auf dem Mond im Überfluss.

Ein Rekord für die Ewigkeit?
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Der Geschwindigkeitsrekord auf dem Mond liegt bei 18,9 km/h. Ein Rekord für die Ewigkeit? Derzeit sind jedenfalls keine neuen bemannten Mondmissionen geplant.

Das Mondauto neben dem Landemodul
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Transportiert wurden die zusammenfaltbaren Mondautos in einem Behälter unter der Landefähre.

Auf Tour mit dem Mondauto
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Insgesamt legten die Astronauten der drei letzten Mondmissionen knapp 90 Kilometer mit ihren Fahrzeugen zurück.

Zehn Tage vor dem historischen Abenteuer der Astronauten Armstrong und Aldrin, am 11. Juli 1969, hatten bei General Motors die Entwicklungsarbeiten für das LRV begonnen. Auftraggeber war der Luft- und Raumfahrtgigant Boeing. Das Fahrzeug sollte am 1. April 1971 zur Verfügung stehen und 19 Millionen Dollar kosten. Dank der Fertigung der drei Exemplare des „Lunar Roving Vehicle“ durfte sich der amerikanische Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing letztendlich sogar in die lange Liste der Autobauer einreihen.

Radikale Leichtbaulösung

Den Zeitrahmen konnten die Entwickler einhalten, die Kosten fuhren davon. Als das LVR das Laufen gelernt hatte, hatten sich die Kosten auf 38 Millionen Dollar verdoppelt.

Dabei hatte sich der deutsche Raketenforscher und „Vater der Mondrakete Staturn V“, Wernher von Braun, bereits 1954 erste Gedanken über ein Mondauto gemacht. Er postulierte für eine sechswöchige Mondmission ein zehn Tonnen schweres Vehikel. Ein vollkommen falscher Ansatz, denn der Energieaufwand, der erforderlich war, Material von der Erde zum Mond zu befördern, diktierte eine radikale Leichtbaulösung. Letztlich musste das Fahrzeug am Einsatzort ja auch nur ein Sechstel der Erdschwerkraft überwurden werden.

Die GM-Techniker entwickelten ein 3,10 Meter langes Fahrzeug mit 2,30 Meter Radstand. Die gesamte Konstruktion aus Leichtmetall wog lediglich 210 Kilo. Die Zuladung auf dem Mond betrug 490 Kilo. Auch die war messerscharf kalkuliert, denn alleine 353 Kilo entfielen auf die beiden Astronauten mit ihren Lebenserhaltungssystemen, 45,4 Kilo auf die Kommunikationsausstattung, 54,5 Kilo auf die wissenschaftliche Nutzlast. Für Gesteinsproben blieben 27,2 Kilo.

Ein großer Schritt für die Menschheit

Mit Allradantrieb über den Mond
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