Morsetelegrafie
Weil kurz, lang, kurz irgendwie Spaß macht

Morsen – das klingt nach Western und alten Schwarzweiß-Filmen. Dabei gibt es in Deutschland sogar eine Nationalmannschaft für die Schnelltelegrafie. Aber wozu braucht man Morsen überhaupt noch?
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RavensburgDer Mann tippt mit rasender Geschwindigkeit gegen den kleinen Schalter. Daumen, Zeigefinger, zack, zack, das Auge kann den Bewegungen kaum folgen. Aus einem Lautsprecher tönt ein tutendes Geräusch: Kurz, kurz, lang, kurz, lang, lang, kurz. Unterhaltung per Morsetelegrafie.

„Jetzt hat er gesagt: Ich bin sehr zufrieden mit der Verbindung, ich kann Dich gut hören“, übersetzt Fabian Kurz. Der 31-Jährige ist ehemaliger Weltmeister der Schnelltelegrafie. Ein Gespräch unter Morsern in Echtzeit wiedergeben? Kein Problem für ihn.

Kurz morst seit Jahren, ebenso wie sein Funker-Kollege Andre Schoch. In der Schulzeit haben beide das Hobby für sich entdeckt – eigentlich per Zufall und am Anfang eher widerwillig.

„Die Morse-Prüfung war bis 2003 noch Voraussetzung, wenn man eine Lizenz für den Amateurfunk wollte“, sagt Schoch, der inzwischen die Nationalmannschaft der Schnelltelegrafie trainiert. Also beißen die beiden Schüler damals die Zähne zusammen und lernen das Alphabet. Und beide machen die gleiche Erfahrung: Je länger man sich mit dem Morsen befasst, desto mehr fasziniert es.

Nicht nur, weil die Form zu den ältesten elektronischen Kommunikationsformen gehört – sondern auch, weil es als Junge einfach Spaß macht, eine Art Geheimsprache zu verstehen, die andere nicht können. Dabei ist eine Funkverbindung zwischen zwei Teilnehmern vollkommen öffentlich. Jeder, der es versteht, kann mithören, sagt Kurz. „Das ist nicht James Bond 007 und geheim.“

Aber warum morst man heute überhaupt noch – in Zeiten von Skype oder Whatsapp? Die Frage hört Fabian Kurz offensichtlich öfter. „Warum fährt man Fahrrad? Oder warum nimmt man das Motorrad, wenn man auch Auto fahren könnte?“, antwortet der 31-Jährige fast schon ein kleines bisschen unwillig. „Es ist nicht mehr notwendig. Aber in erster Linie macht es einfach Spaß.“

Auch Thilo Kootz vom Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) kann sich bei der Frage nach dem Warum die Ironie nicht ganz verkneifen: „Leute machen in ihrer Freizeit ja in der Regel das, was Spaß macht“, sagt er. „Dafür ist Freizeit da. Und da gibt es ja Sachen, da laufen 22 Leute einem Lederball hinterher – da kann man auch die Sinnfrage stellen. Die machen das aber, weil es ihnen Spaß macht – und so ist das bei uns auch.“

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  • Das Morsen ist nur eine von vielen Spielarten des Amateurfunks - vor allem eine, die sehr wenig technischen Aufwand erfordert. Die Schnelltelegrafie ist ein Leistungssport wie andere auch - und nur eine Wettbewerbsart im Amateurfunk.

    Der Amateurfunk hat aber nicht nur technische Aspekte: Der deutsche Dachverband, der Deutsche Amateir Radio Club (DARC), hat über 1000 Ortsverbände. Oft genug tauche ich bei fremden Ortsverbänden auf, wenn ich zum passenden Zeitpunkt in der Nähe bin. Dann merke ich immer wieder, dass ich zu einer internationalen Bruderschaft gehöre.

    Der Amateurfunk hat seit seinen Anfängen eine völkerverbindende Funktion. Wir stellten völlig selbstverständlich auch über den Eisernen Vorhang hinweg Verbindungen her - natürlich ohne die staatlichen Begrenzungen zu überschreiten. Unter uns gibt es Könige (JY1, "My name is Hussein.") genau so wie Nobelpreisträger (K1JT). Letzterer nahm sich vor ein paar Jahren zwei Tage Zeit für eine Amateurfunktagung in München. Dort ließ er sich mit großer Geduld Löcher in den Bauch fragen.

    Gerade in und für Entwicklungsländer ist auch der Notfunk per Amateurfunk ausgesprochen wichtig. Und wenn da sonst nichts mehr geht: Morseverbindungen klappen immer noch.

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