Forschung + Innovation
Münchener Erdwärme-Stromprojekt übertrifft Erwartungen

Der Bürgermeister ging vor Begeisterung gleich ins Wasser. Zusammen mit seinem Projektleiter schlüpfte Erwin Knapek (SPD) am Dienstag in die Badehose und stieg - zusätzlich mit Bauhelm bekleidet - in das erstmals sprudelnde Thermalwasser.

dpa MÜNCHEN. Der Bürgermeister ging vor Begeisterung gleich ins Wasser. Zusammen mit seinem Projektleiter schlüpfte Erwin Knapek (SPD) am Dienstag in die Badehose und stieg - zusätzlich mit Bauhelm bekleidet - in das erstmals sprudelnde Thermalwasser.

In Unterhaching bei München soll bis 2006 das größte Geothermiekraftwerk Deutschlands mit rund 3,7 Megawatt elektrischer Leistung entstehen. Acht Monate nach Beginn der Bohrung war am Montag in einer Tiefe von 3 350 Metern endlich das ersehnte heiße Wasser gefunden worden - die Temperatur ist höher und die Menge größer als in realistischen Prognosen erwartet.

Rathauschef Knapek hatte das Projekt vorangetrieben. Schon vor zehn Jahren hatte der promovierte Physiker die Erdwärme als Energiequelle im Auge, jedoch wurde ein derartiges Projekt erst mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz auch wirtschaftlich interessant. „Wir wollen eine zukunftsweisende, umweltfreundliche Strom- und Wärmerzeugung für Unterhaching“, betont Knapek. Das Ergebnis zeige, dass das Engagement richtig gewesen sei.

„Selbst unsere optimistischsten Erwartungen wurden übertroffen“, sagt Projektleiter Christian Schönwiesner-Bozkurt von der Beratungsfirma Rödl & Partner. Mit 122 Grad liege die Temperatur weit über dem für realistisch gehaltenen Wert von 100 Grad, der für Stromerzeugung mindestens notwendig ist. Zudem sprudeln 150 Liter des thermalen Wassers pro Sekunde hervor, rund ein Drittel mehr als benötigt.

Zufrieden reagiert auch das Bundesumweltministerium, welches das 35 Mill. Euro teure Projekt mit 4,8 Mill. Euro fördert. „Das Ergebnis verleiht der Stromerzeugung aus Erdwärme einen wichtigen Schub“, sagt Ministeriumssprecher Jürgen Maaß. „Die Erdwärme steht noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung, bietet aber ausgezeichnete Perspektiven.“ Derzeit wird an verschiedenen Orten in Deutschland nach heißem Wasser gebohrt, unter anderem im Süden Münchens, in Bad Urach in Baden-Württemberg und im Oberrheingraben.

Ursprünglich sollte in Unterhaching schon im April die endgültige Bohrtiefe von rund 3 400 Metern erreicht werden. Mehrmals gab es aber Pannen. Einmal waren Rohre undicht, ein anderes Mal verkeilte sich in einer Tiefe von rund 3 000 Metern das Bohrgestänge mit dem Bohrmeißel.

Bis zuletzt war nicht klar, ob die Berechnungen und Prognosen der Geologen stimmen würden, und bis zuletzt war nicht ganz ausgeschlossen, dass Wassertemperatur oder -menge nicht reichen könnten. Das Risiko eines Misserfolgs zumindest bei der Wassermenge war jedoch erstmals überhaupt bei einem derartigen Projekt von einer Versicherung abgedeckt worden.

Erdwärme gilt als wichtiger Baustein bei der umweltfreundlichen Energiegewinnung. Ihr Vorteil: Sie ist von äußeren Umständen wie Sonne und Wind unabhängig. Im Sommer 2003 ging das bundesweit erste Geothermiekraftwerk in Neustadt-Glewe in Mecklenburg-Vorpommern ans Netz, es erzeugt jedoch nur 210 Kilowatt. Zur Wärmegewinnung ist die Geothermie schon etwas weiter verbreitet: Bislang ist nach Angaben des Bundesforschungsministeriums in größeren und kleineren Anlagen bundesweit eine Wärmeleistung von etwa 700 Megawatt installiert.

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