Forschung + Innovation
Münchner Forscher züchten BSE-resistentes Rind

Münchner Wissenschaftler wollen mittels Gentechnik BSE-resistente Rinder herstellen.

dpa MüNCHEN. Münchner Wissenschaftler wollen mittels Gentechnik BSE-resistente Rinder herstellen. Entsprechende im Reagenzglas gezeugte Rinder-Embryonen seien bereits Kühen eingepflanzt worden, berichtete der Leiter der Arbeitsgruppe Prionen-Forschung am Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Stefan Weiss.

Einige Kühe seien in einem frühen Stadium trächtig. Noch sei aber unklar, ob sich die Embryonen zu lebensfähigen Rindern entwickeln könnten. Bis zur Geburt dauert es ähnlich wie beim Menschen etwa neun Monate. „Da kann noch viel passieren“, sagte Weiss. „Aber es sieht vielversprechend aus.“

Die Forscher hatten bei den Embryonen per Gentechnik die Herstellung des Prion-Proteins ausgeschaltet. Dazu sei in kultivierten Hautzellen von Rindern gezielt das dafür verantwortliche Gen entnommen worden, berichtete die dafür zuständige Biologin Regina Klose vom Institut für molekulare Tierzucht. Das Erbgut dieser gentechnisch veränderten Hautzellen wurde in entkerne Eizellen injiziert - wie beim Produzieren des Klonschafes Dolly. „Damit sind die Tiere wahrscheinlich resistent gegen BSE.“ Denn das Prion-Protein im Gehirn ist Grundlage für die BSE-Erkrankung. Bei einer Infektion verändert es sich krankhaft und führt dann zu dem ungewöhnlichen Verhalten der Tiere.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe das Prion-Protein keine essenzielle Funktion für den Organismus, erläuterte Weiss. Die Funktion des Prion-Proteins sei noch nicht völlig erforscht. Es könnte jedoch eine Rolle beim Schlaf-Wachrhythmus spielen, ein Fehlen könnte zudem zu fehlerhafter Reizweiterleitung führen.

Auch wenn die Tiere lebensfähig sein sollten, sind sie nicht für den Markt gedacht. Hintergrund der Arbeiten sei vielmehr, die Bedeutung des Prion-Protein aufzuklären und möglicherweise auch bestimmte therapeutisch wirksame Substanzen in den Rindern herzustellen.

Ein südkoreanisches Forscherteam hatte eigenen Angaben zufolge bereits im Jahr 2003 vier Klonrinder gezüchtet, die gegen die Rinderseuche BSE resistent sind. Nach der Entwicklung von BSE- resistenten Labormäusen in anderen Ländern sei es weltweit das erste erfolgreiche derartige Experiment mit Rindern, hatte der Tiermediziner Hwang Woo Suk von der Seouler Nationaluniversität berichtet. Die Klonkälber hätten Antikörper, die spezifisch gegen die für BSE verantwortlichen Prionen gerichtet seien, ergänzte Hwang. Seine Forschergruppe erwartete die Geburt von 15 weiteren Klonkälbern. Die neugeborenen Kälber sollen für Labortests zu einem Forschungszentrum in Tsukuba nach Japan geschickt werden.

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