Museum der Schöpfungsgeschichte
Adam, Eva und die Dinos

Lässt sich die Bibel mit den Dinosauriern in Einklang bringen? Ist Schöpfung und nicht Evolution der Ursprung der Welt? Ein neues Museum in Kentucky will belegen, dass die Erde vor nur 6 000 Jahren von Gott erschaffen wurde.
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Kinder sind leicht zu manipulieren. Aber sie sind auch schlau - die meisten jedenfalls. Was muss man ihnen also als Erstes erklären, wenn man sie davon überzeugen will, dass die Erde nicht, wie in der Schule gelernt, Milliarden von Jahre alt ist, sondern erst 6 000 Jahre? Ganz klar: das mit den Dinosauriern. Jeder aufgeweckte Sechsjährige weiß, dass die faszinierenden Riesen vor langer Zeit gelebt haben, als es noch keine Menschen auf unserem Planeten gab. Deshalb sind in dem neuen Museum in Petersburg im US-Bundesstaat Kentucky ganz in der Nähe von Cincinnati die prähistorischen Riesen überall: am Eingang, im Museumsgarten, über der Tür zum Museumsshop und natürlich in der Ausstellung selbst. Dort tummeln sie sich friedlich im Garten Eden – denn erst nach dem Sündenfall, erfährt der Besucher, fielen sie übereinander und über andere her.

Was Forscher heute an Dino-Knochen aus der Erde buddeln, sollen die Schlammmassen der Sintflut vor 4 350 Jahren verschlungen haben.

27 Millionen Dollar investierte die fundamental-christliche Gruppe Answers in Genesis (AiG) in das "Creation Museum", das jüngst seine Tore öffnete. Es heizt die Kontroverse an, die sich in den USA zwischen den bibeltreuen Gläubigen der Schöpfungsgeschichte und den Anhängern der Darwin'schen Evolutionstheorie verschärft hat. Bereits vor der Eröffnung des Museums gab es Proteste von Wissenschaftlern. Sie fürchten, Schüler könnten demnächst gegen ihre Lehrer aufbegehren und sie der Lüge bezichtigen. Das wäre wohl ganz im Sinne der Museumsgründer. "Wir werden zeigen, dass der Glaube an jedes Wort der Bibel durch moderne Wissenschaft verteidigt werden kann", rief Ken Ham, der Chef von AiG, seinen Anhängern bei der Eröffnungsfeier zu.

Die Botschaft fällt auf fruchtbaren Boden. Bereits Ende Juni verkündete die Museumsleitung, wegen der über allen Erwartungen liegenden Besucherzahl die Öffnungszeiten zu verlängern. Für Gruppen gibt es die nächsten Buchungsmöglichkeiten nicht vor Anfang November.

"Gottes Wort ist wahr", so lautet die Überschrift über dem ersten Teil der Ausstellung, die den Glauben an die Schöpfungsgeschichte mit Adams Sündenfall exakt auf das Jahr 4004 vor Christus datiert. Etwas weiter wird dann klarer, wozu es führt, wenn man Gottes Wort leugnet. In einer düsteren Ecke mit Ziegelsteinwänden, die an einen Hinterhof in der Bronx erinnert, schreit den Museumsbesucher ein Grafitti an: "Modern World abandons the Bible" - die moderne Welt leugnet die Bibel. Links daneben an der Wand eine Sammlung von zerrissenen Fetzen wild übereinander geklebter Zeitungsausschnitte und Titelbilder, die keinen Zweifel daran lassen, was die Folgen sind: Schwulenehe, Abtreibung, Sterbehilfe, Schießereien an Schulen. Aus dem Off belehrt eine Stimme über die Zahl von Mädchen, die jung schwanger werden und vorehelichen Geschlechtsverkehr haben.

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