Nach 400 Jahren
Tycho Brahes Leiche exhumiert

400 Jahre nach dem Tod des großen dänischen Astronomen Tycho Brahe ist sein Grab in der Prager Týnkirche geöffnet worden. Wissenschaftler wollen untersuchen, ob der geniale Gelehrte möglicherweise einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.
  • 0

HB PRAG/KOPENHAGEN. Dänische und tschechische Wissenschaftler haben das Grab des weltberühmten Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) in der Prager Týnkirche geöffnet. Mit Hilfe moderner Untersuchungsmethoden wollen sie ermitteln, woran der geniale Gelehrte gestorben ist.

Wie der Archäologe Jens Vellev von der Universität Århus am Montag ankündigte, sollen vor allem Knochen, aber auch mögliche Haarreste untersucht werden. Die Forscher hoffen auch auf neue Erkenntnisse durch die Analyse von Kleidungsstücken des Astronomen im Sarg.

Brahe galt als der größte Himmelforscher seiner Zeit. Mit selbst gebauten Instrumenten, aber noch ohne Fernrohr erkundete er von seinem Observatorium auf einer dänischen Insel aus den Sternenhimmel. Brahes genaue Beobachtungen ermöglichten es seinem Assistenten Johannes Kepler später, die Gesetze der Planetenbewegung zu entschlüsseln.

Zwei Jahre vor seinem Tod übersiedelte Brahe nach Prag, wo er in den Dienst von Kaiser Rudolf II. trat. Die Hintergründe seines Todes sind bis heute nicht restlos geklärt: Am Abend des 13. Oktober 1601 klagte Brahe nach einem Bankett über Unwohlsein. Zehn Tage lang kämpfte der für seine Bärenkonstitution bekannte Astronom gegen Schmerzen und Fieber.

Dann, als es ihm gerade wieder besser zu gehen schien, starb er plötzlich. Eine Harnvergiftung, so vermuteten die Zeitgenossen, ausgelöst durch Brahes Weigerung, während des Banketts seine Blase zu entleeren. Aus Höflichkeit gegen den Gastgeber sei der Astronom an der Tafel geblieben und habe den eigenen Körper langsam vergiftet.

Bei einer Untersuchung des Leichnams in den 1990er Jahren entdeckten dänische und schwedische Wissenschaftler allerdings große Mengen von Quecksilber in den Barthaaren. Seitdem galt eine Vergiftung mit diesem Stoff als mögliche Todesursache.

Offen blieb, ob Brahe damit vergiftet sein könnte oder den Stoff aus eigenem Antrieb einnahm. Als Alchemist experimentierte Brahe wiederholt mit dem gefährlichen Stoff und stellte Heilmittel auf Quecksilber-Basis her, die er auch selbst benutzte. Möglicherweise versuchte er in den Tagen vor seinem Tod sein Leiden durch eines dieser Heilmittel zu bekämpfen.

Die Untersuchungen an dem illustren Toten sollen bis Freitag abgeschlossen sein. Dann wird Brahes Leichnam erneut in der Týnkirche beigesetzt. Der Prager Erzbischof liest dabei eine Messe im Beisein von Dänemarks Kirchenministerin Birthe Rønn Hornbech.

Kommentare zu " Nach 400 Jahren: Tycho Brahes Leiche exhumiert"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%