Nach dem abgebrochenen Start des Space-Shuttle weisen Experten auf grundlegende Konstruktionsmängel hin
Discovery bringt Nasa in die Bredouille

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa ist nach dem abgebrochenen Startversuch der Raumfähre „Discovery“ in die Defensive geraten. Kritiker wiesen darauf hin, dass das gleiche Problem mit einem Treibstoffsensor bereits bei einem Test im April aufgetreten und damals als „unerklärte Anomalie“ abgehakt worden sei.

HB WASHINGTON. Einige Ingenieure hätten für eine weitere Untersuchung der Panne plädiert, das Nasa-Management habe sich aber mit einem Austausch von Kabeln, eines Schaltkastens und des Tanks zufrieden gegeben. „Es hätten weitere Tests stattfinden müssen: Das ist aber bis zum Mittwoch nicht passiert“, rügte der frühere Nasa-Ingenieur Randy Avera.

Techniker versuchten gestern fieberhaft, die Ursache des Defekts an der 1984 gebauten Discovery zu finden. Ein fehlerhafter Sensor an einem der externen Treibstofftanks hatte die Nasa am Mittwoch gezwungen, kurzfristig den ersten Flug einer Raumfähre seit der „Columbia“-Katastrophe vor zweieinhalb Jahren abzusagen. Die Ursache könne in der Treibstoffanzeige am Boden des Tanks, in der mangelnden Elastizität von Kabeln und Drähten oder in einer Schaltbox in der Raumfähre liegen, hieß es.

Die Discovery sollte Ersatzteile zur Internationalen Raumstation ISS transportieren. Ein neuer Startversuch ist frühestens für Sonntag vorgesehen. Der stellvertretende Leiter der Shuttle-Programme, Wayne Hale, gab sich betont gelassen: „Wir fliegen nicht, bis es ganz sicher ist.“ Auch in der Vergangenheit habe es gelegentlich Probleme gegeben, so Hale. So habe die Nasa einmal bei einer Mission für das Pentagon einen geplanten Start 14 Mal verschieben müssen.

Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos kritisierte die Absage des Discovery-Starts als übertriebene Vorsichtsmaßnahme. „Man hätte auch mit diesem Fehler durchaus ins All fliegen können“, betonte Roskosmos-Chef Anatoli Perminow. Wenn einer von vier Treibstoffanzeigern nicht funktioniere, „muss man nicht gleich in Panik verfallen.“ Seit dem Columbia-Absturz im Februar 2003 und dem Startverbot für Shuttles liegt die Last für Transportflüge zur Internationalen Raumstation allein auf russischen Schultern. In der Vergangenheit hatte sich Roskosmos wiederholt darüber beklagt, weder technisch noch finanziell diesen Aufwand allein betreiben zu können.

Eine Schrecksekunde hatte es bereits am Dienstag mitten im Count-down der Discovery gegeben. Eine Plastikabdeckung löste sich von einem Fenster am Bug, stürzte in die Tiefe und beschädigte Hitzeschutz-kacheln am Rumpf des Shuttles. Die Panne erinnerte an die Ursache des Columbia-Absturzes bei der Rück-kehr in die Erdatmosphäre: Während des Starts war der Hitzeschutzschild der Raumfähre beschädigt worden, was nach Ermittlungen der Nasa zu der Katastrophe beim Landeanflug führte. Seitdem hat die Nasa 1,1 Mill. Dollar in die Verbesserung der Discovery und einen völlig neu konzipierten Außentank gesteckt.

Experten warnen unterdessen vor tiefer liegenden Mängeln. „Das Space-Shuttle kommt im Augenblick wegen grundlegender Konstruktionsnachteile an seine Grenzen“, sagte Ulrich Walter, Professor für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München. Die ganze Internationale Raumstation stehe auf dem Prüfstand.

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