Nach Tierschützer-Kritik
Tübinger Forscher will Affenversuche einstellen

Debatten über Tierversuche sind hochemotional, die Fronten zwischen Wissenschaftlern und Tierschützern verhärtet. Ein Tübinger Forscher will nicht länger mit Affen experimentieren – wegen Beschimpfungen und Drohungen.
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TübingenNikos Logothetis ist vor der Presse abgetaucht. Dem Direktor des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen soll es nicht gut gehen. „Er ist gesundheitlich angeschlagen, an den Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit“, heißt es in der Münchner Max-Planck-Gesellschaft. Der Neurowissenschaftler wurde monatelang beschimpft, bedroht und angefeindet.

Logothetis experimentiert mit Affen, um das menschliche Gehirn besser zu verstehen. Nach einem Fernsehbericht geriet sein Tübinger Institut im vergangenen September in die Kritik. Ein Tierschützer hatte sich für die Aufnahmen als Pfleger in das Institut eingeschleust. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Tierschützer riefen deshalb zu Kampagnen und Demonstrationen auf. Die Tübinger Staatsanwaltschaft schaltete sich wegen möglicher Verstöße gegen den Tierschutz ein.

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums in Baden-Württemberg wurden 2013 allein im Südwesten mehr als 495 300 Tiere in Versuchen verwendet oder für wissenschaftliche Zwecke getötet, bundesweit sind es Millionen. Die Abwägung, welches Recht schwerer wiegt - die Forschungsfreiheit oder der ebenfalls im Grundgesetz als Staatsziel verankerte Tierschutz - ist schwierig und häufig emotional. Immer wieder ernten Forscher heftige Anfeindungen und Todesdrohungen.

Der Bremer Hirnforscher Andreas Kreiter wurden wegen seiner Primatenversuche bereits unter Polizeischutz gestellt, seine Labore verwüstet. Kreiter forschte trotzdem weiter.

Logothetis hingegen will nach monatelangem Druck künftig nur noch mit Nagetieren experimentieren. „Monster“, „Mörder“ oder „Dreckschweine“ wurden er und seine Tübinger Forscher in Briefen und Mails beschimpft. „Es kamen viele schlimmen Sachen“, sagt Christina Beck, Sprecherin der Max-Planck-Gesellschaft.

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„Schwerer Rückschlag für die Forschung“

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