Nachfrage nach den Geräten ist von Anfang sehr groß
Viele Lkw-Fahrer zahlen Maut per Internet

Wenn am 31. August die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen in Kraft tritt, ist höchstens ein Fünftel aller Fahrzeuge mit der notwendigen Technik ausgestattet, die eine automatische Mauterfassung möglich macht. Alle anderen Lkw müssen entweder per Internet, Call-Center oder an einem der 3 500 Terminals, die über die Bundesrepublik verteilt sind, manuell eingebucht werden.

DÜSSELDORF. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, protestieren die Spediteure europaweit und fordern die Bundesregierung lautstark auf, entweder die Einführung zu verschieben oder eine Übergangsregelung zu schaffen.

Für Werner Kühlkamp, dem deutschen Sprecher der Union europäischer Industrie- und Handelskammern (UECC), steht die Flexibilität des Speditionsgewerbes auf dem Spiel. „Es wurde versprochen, dass die Mauterfassung die Arbeit der Speditionen nicht beeinträchtigen werde“, wettert der IHK-Mann. „So lange aber keine automatische Mauterfassung möglich ist, muss der Fahrer beim Verlassen seiner geplanten Fahrtroute seinen Lkw ständig aus- und einbuchen.“

Die automatische Mauterfassung während der Fahrt ist die einfachste Art, die Lkw-Maut zu entrichten. Die von der Toll Collect GmbH – einem Konsortium um die Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler Services – entwickelte Erfassungstechnik basiert auf der Kombination aus Mobilfunk und satellitengestützter Ortung per GPS, dem Global Positioning System. Ein fest eingebautes Gerät im Fahrerhaus des Lkw ermittelt anhand von Satellitennavigationsdaten die zurückgelegte Strecke auf der Autobahn, berechnet die zu zahlende Mautgebühr und überträgt diese Daten per Mobilfunk an das Rechenzentrum von Toll Cellect. Die Maut wird dann vom Konto der Spedition abgebucht.

Bis zum Start der Lkw-Maut sollen mindestens 150 000 solcher Erfassungsgeräte installiert werden. Das sieht der Vertrag vor, der zwischen Toll Collect und dem Bundesverkehrsministerium geschlossen worden ist. 1 500 Service-Partner in Deutschland und 300 in Europa sollen die Erfassungsgeräte einbauen. Nach dem Proteststurm der Speditionen hat das Verkehrsministerium weitere 100 000 Geräte bestellt. Doch ob es gelingt, diese rechtzeitig einzubauen, ist fraglich. „Garantieren können wir das nicht“, sagt Toll Collect-Sprecher Hans-Christian Maaß.

Experten im Verkehrsministerium gehen davon aus, dass künftig rund 800 000 Lkw mit dem automatischen Erfassungssystem ausgestattet sein werden. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Nachfrage nach den Geräten bereits am Anfang so hoch sein würde“, sagt der Sprecher des Ministeriums, Felix Stenschke. Um den Lkw-Fahrern die Übergangszeit zu erleichtern, sei mit Toll Collect vereinbart worden, dass die Einbuchung nicht nur über Internet und an Terminals möglich ist, sondern auch über Call-Center.

Voraussetzung für den reibungslosen Ablauf ist jedoch, dass die Speditionen ihre Fahrzeuge rechtzeitig registrieren lassen. Die Unternehmen erhalten pro Lkw eine Chipkarte, auf der die Fahrzeug- und Firmendaten gespeichert sind. Die Karte soll die manuelle Einbuchung an den Terminals und über das Internet erleichtern.

„Obwohl sich die Alternativen zur automatischen Bezahlung recht einfach anhören, beeinträchtigen sie den Ablauf in den Speditionen enorm“, sagt der Sprecher der UECC, Kühlkamp. Dennoch bleibe den Firmen nichts anderes übrig, als sich mit der unerfreulichen Situation auseinander zu setzen. Die Kammern bieten dazu zurzeit Kurse an und geben entsprechende Hilfestellungen.

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