Nachgefragt: G.Stamerjohanns
„Scheitern wäre ein Irrsinn“

Günter Stamerjohanns ist Vorstandschef des Konsortiums Galileo Industrie. Im Interview spricht er über über die finanzielle Zukunft des Satellitensystems Galileo.

Handelsblatt: Die Bundesregierung hat weitere Gelder für Galileo blockiert. Schlafen Sie noch ruhig?

Günter Stamerjohanns: Unbedingt. Aber Ende dieses Monats geht Galileo Industries das Geld aus. Wir haben schon deshalb ein großes Interesse daran, dass sich die Europäer einigen.

Die Bundesregierung und Bayern argumentieren, Deutschland trage einen wesentlichen Teil der Finanzierung, deshalb müsse auch viel Geld zurückfließen. Teilen Sie die industriepolitische Argumentation?

In die Politik mische ich mich nicht ein. Aber das deutsche Interesse ist sicher legitim. Genauso legitim ist es, dass jetzt Verteilungskämpfe ausgefochten werden. Denn in diesen Tagen werden entscheidende Weichen gestellt. Eines muss bei allem Streit klar sein: Wir haben bereits fast 90 Prozent aller Aufträge für die Entwicklung und den Bau des Systems entschieden. Jetzt müssen diese mit den dafür vorgesehenen Mitteln auch vergeben werden, um Zeitverzüge und damit höhere Kosten zu vermeiden. Außerdem sind die beiden Testsatelliten so gut wie fertig. Das Projekt ist auf unserer Seite also gut unterwegs. Auch deswegen wäre es ein Irrsinn, Galileo scheitern zu lassen.

Heute tagt die ESA. Wenn keine Entscheidung fällt und damit kein Geld fließt, müssen Sie dann zum Insolvenzgericht?

Daran verschwende ich nicht einen Gedanken, unser Blick geht nach vorne. Aber natürlich haben wir einen Notfallplan, hinter uns steht ja nicht irgendwer.

Gesetzt den Fall, die ESA kommt heute nicht zu einer Entscheidung: Können Sie sich vorstellen, dann aufzugeben?

Nein, auch wenn ich zugebe, dass die Projektsteuerung von Galileo unter den gegebenen Umständen alles andere als einfach ist, um es vorsichtig zu sagen. Entscheidend ist: Galileo wird nicht scheitern, einfach weil es zu wichtig ist. Dieses Projekt ist ein zutiefst europäisches, es sichert die Unabhängigkeit der Europäer auf dem Gebiet der Information. Der Markt für satellitengestützte Navigation verspricht zudem in den nächsten Jahren großes Wachstum. Wie belastbar auch immer die Prognose ist, aber es gibt die Voraussage, dass Galileo 100 000 neue Arbeitsplätze in Europa schaffen wird. Und diese Jobs sind nicht irgendwelche Jobs.

Die Fragen stellten Christoph Hardt und Markus Fasse.

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