Nanotechnik
Alle warten auf die Revolution

Bioforscher arbeiten daran, Wirkstoffe zum Transport durch den Körper mit Nanoteilchen einzukapseln. Das Potenzial der Nanotechnik ist enorm, der Weg bis zu ihrer Verwirklichung jedoch langwierig.

BERLIN. Nanotechnik durchdringt unseren Alltag. Das will zumindest die Werbung weismachen, die verspricht, dass Autos, Fenster, Bäder und Hausfassaden durch echte oder vermeintliche Nanobeschichtungen kratzfest werden und sauber bleiben, dass selbst Kosmetik und Sonnencreme durch die Winz-Partikel besser wirken denn je. „Als ich am Wochenende mit meinem Auto in die Waschanlage gefahren bin, prangte da ein großes Schild mit der Aufschrift ‚Jetzt mit Nanotechnik'“, amüsiert sich Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums, Biophysiker und Nanoforscher.

Doch: „Nicht überall, wo Nano draufsteht, ist auch Nano drin“, weiß Heckl, der auch Sprecher des bundesweiten Kompetenznetzwerks Nanoanalytik ist. Dennoch sieht der Wissenschaftler in der Technik der kleinsten Dinge – ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter – ein riesiges Potenzial. Doch der große Sprung ist bislang ausgeblieben. Ankündigungen revolutionärer Produkte und Verfahren gibt es zwar zuhauf. Manches mutet an wie Science Fiction, etwa wenn von Kleinstrobotern die Rede ist, die durch unsere Blutbahn rauschen und gezielt Krankheitserreger beseitigen. Das wird weder morgen noch übermorgen passieren.

Gleichwohl: In der Krebsforschung gibt es solche Ansätze. So hat die Berliner MagForce Nanotechnologies ein Verfahren entwickelt, bei dem kleinste Eisenoxidpartikel in Tumorzellen eingeschleust werden, dann durch ein Magnetfeld erhitzt werden, wodurch das bösartige Gewebe verkocht. Vor zwei Jahren fiel eine erste Machbarkeitsstudie, bei der 15 Patienten mit einem Hirntumor behandelt wurden, positiv aus.

Bioforscher arbeiten zudem daran, Wirkstoffe zum Transport durch den Körper mit Nanoteilchen einzukapseln. Allen Ansätzen ist gemein, dass sie verlockend und vielversprechend sind, aber die Umsetzung nicht so schnell gelingt, wie gehofft. „Viele Erwartungen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt übertrieben. Was die Nanowissenschaft in Zukunft bringt, lässt sich nur in beschränktem Rahmen prognostizieren“, sagt Hans-Joachim Güntherodt, Leiter des National Center of Competence in Research Nanoscale Science der Universität Basel. Vieles bewege sich eben noch im Bereich der Grundlagenforschung.

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