Nanotechnik in Sportartikeln
Federleicht und viel härter als Stahl

Nanoröhrchen gehört die Zukunft. Vor allem Entwickler von Elektronik setzen große Hoffnungen auf die Winzlinge aus Kohlenstoff. Doch auch Hersteller von Tennisschlägern und Surfbrettern profitieren von der Nanorevolution: Das Material ist leicht, robust - und sehr werbewirksam.

BERLIN. Nanoröhrchen gelten als perfekter Werkstoff für eine neue Generation von Bildschirmen und für noch leistungsfähigere Elektronikbauteile. Was viele nicht wissen: Die winzigen Gebilde gibt schon längst in einer Vielzahl von Produkten - in Surfbrettern, Tennisschlägern, Fahrradhelmen und Kunststoffverpackungen.

Selbst Nanotechnik-Experten sind überrascht über den Erfolg des Nano-Werkstoffs. "Damit hatte ich nicht gerechnet", sagt Ivica Kolaric von der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe (TEG) in Stuttgart. Der Forscher arbeitet seit sieben Jahren mit dem Hightech-Material, mittlerweile in 30 Industrieprojekten. Fünf davon zielen auf den Einsatz der Röhrchen in Sportartikeln.

Die Firma Völkl wirbt seit 2006 für einen neuen Tennisschläger mit Carbon Tubes in Griff und Rahmen. Bis Ende vergangenen Jahres wurden rund 30 000 der Hightech-Schläger auf den deutschen Markt gebracht. Andere Firmen machen nicht so viel Wind um ihre Innovation. Fachleute versichern jedoch, dass auch Skier, Surfbretter, Baseballschläger, Fahrradhelme, Skistöcke, Badmintonschläger und Sportschuhe inzwischen Kohlenstoffröhrchen enthalten.

So überraschend der Start des Nano-Werkstoffs in Sportartikeln rückblickend erscheint, so einfach lässt er sich begründen: Kohlenstoff-Nanoröhrchen sind extrem belastbar und viel leichter als herkömmliche Materialien. Sie wiegen nur ein Viertel von Stahl, sind aber rund 20 Mal fester und damit stabiler gegenüber mechanischen Beanspruchungen. Ein Tennisschläger mit Nanotubes verbiegt sich daher beim Aufprall des Balls nicht so stark und kann kräftiger zurückschlagen.

Das Interesse der Sportbranche an den Röhrchen hat jedoch auch andere Gründe, wie Heiko Hocke erläutert: "Das neue Material ist sehr werbewirksam", sagt der Business Development Manager bei Bayer Material-Science in Leverkusen. Die Bayer-Tochter hat 2006 eine Anlage zur Produktion von Nanoröhrchen in Betrieb genommen. Das Unternehmen klinkt sich damit als einer der wenigen großen Chemiebetriebe in den aufstrebenden Markt ein, der bisher von ungefähr 200 kleinen und mittelständischen Herstellern weltweit bedient wird.

Gerade wird in Leverkusen die bestehende Anlage mit einer Kapazität von 30 Jahrestonnen um eine zweite derselben Größe ergänzt. 2011 hofft Hocke, eine Großproduktion für die Röhrchen zu betreiben. Neben den Anwendungen in Sportgeräten setzt das Unternehmen auf elektrisch leitfähige Kunststoffe: Nanoröhrchen leiten den elektrischen Strom ähnlich gut wie Kupfer. Mischt man die Tubes unter herkömmliches geschmolzenes Plastik, so wird dieses elektrisch leitend. Folien aus diesem Nanomix können elektronische Bauteile vor elektrostatischer Aufladung schützen, indem sie die auftretenden Ströme über ihre Oberfläche ableiten. "In Asien wird unser Material zu diesem Zweck schon in großem Umfang von der Elektronikindustrie eingesetzt", berichtet Hocke.

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