NASA feiert Geburtstag
50 Jahre durch Raum und Zeit

Die US-Weltraumbehörde NASA feiert dieses Jahr ihr goldenes Jubiläum. Statt echter Feierlaune funkt die Behörde zu ihrem 50. Geburtstag jedoch vielmehr kritische Töne von höchster Stelle. Der Jubilar steckt tief in der Midlife-Crisis.

NEW YORK/HAMBURG. Die „Beatles“ ins All zu schicken ist heute kein Problem mehr. Zur Feier ihres 50. Geburtstags hat die US-Weltraumbehörde Nasa den Song „Across the Universe“ (Quer durchs Universum) über ein Antennennetz in den Weltraum senden lassen: „Grüßt die Außerirdischen schön“, schrieb Beatle Paul McCartney begeistert an die Weltraumbehörde. Ein Liedchen aus dem Jahr 1968 braust mit Lichtgeschwindigkeit durch den Orbit – viel mehr Zukunft hat die National Aeronautics and Space Administration (Nasa) derzeit nicht zu bieten.

Statt echter Feierlaune funkt die Behörde zu ihrem Jubiläum vielmehr kritische Töne von höchster Stelle: „Wir haben zur Zeit des Mondlandeprogramms Apollo viele Dutzend Dollarmilliarden ausgegeben, um damit im Weltraum eine Führungsposition vor allen anderen Nationen zu erringen. Seither haben wir 40 Jahre lang von den Früchten gezehrt und waren nicht bereit, genügend zu investieren, um diesen Vorsprung auch zu halten“, sagt Behördenchef Michael D. Griffin.

Aufbruchstimmung hört sich anders an; auch deshalb schwelgt Amerika zum Nasa-Jubiläum lieber in süßen Erinnerungen: Es sind die unvergessenen Bilder von Astronauten in ihren unförmigen Schutzanzügen in grauer Landschaft, die Fußabdrücke im Mondstaub und das Sternenbanner auf dem Erdtrabanten, die im Juli 2008 noch einmal das Fernsehen fluten. Heute vor 50 Jahren unterschrieb US-Präsident Dwight D. Eisenhower die Gründungsakte der neuen Behörde.

8 000 Mitarbeiter beschäftigten sich danach in erster Linie mit der bemannten Raumfahrt und heizten ein Wettrennen ins All an, bei dem die Sowjetunion zunächst in Führung lag: Am 12. April 1961 absolvierte Juri Gagarin mit dem Raumschiff „Wostok 1“ seinen ersten Raumflug und umrundete dabei in 108 Minuten einmal die Erde. Der erste Amerikaner, der die Erde umkreiste, war John Glenn mit einem fünfstündigen Flug der „Friendship 7“ am 20. Februar 1962. In der Hochzeit des Kalten Krieges und des sogenannten „Space Race“ lief die Nasa anschließend – gedopt mit einem Milliardenbudget – zur Höchstform auf.

Zwischen 1969 und 1972 setzte die US-Raumfahrtbehörde erstmals in der Geschichte der Menschheit Erdbewohner auf dem Mond ab und brachte sie heil zur Erde zurück. Ihr großes Hubble-Weltraumteleskop brachte der Astronomie etwa so viele Erkenntnisse, wie Astronomen zuvor in drei Jahrhunderten zusammengetragen hatten. Praktisch basieren auch alle amerikanischen Anwendungssatelliten für Kommunikation, Wettervorhersage, Fernsehen, Navigation, Erderkundung und andere Zwecke, die heute rein kommerziell gefertigt werden, auf Techniken, die von der Nasa in ihren frühen Jahren entwickelt wurden.

Doch 2008, im 50. Lebensjahr, ist der jugendliche Elan längst dahin; der Jubilar steckt tief in der Midlife-Crisis. Die großen nationalen Triumphe wie die erste Landung auf dem Mond am 20. Juli 1969 liegen fast 40 Jahre zurück, und neue Sensationen sind noch außer Reichweite. 2010, das hat Präsident George W. Bush schon vor Jahren bestimmt, soll der Spaceshuttle aus dem Verkehr gezogen werden.

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