Nasa-Skandal
Astronauten durften betrunken fliegen

Die US-Weltraumbehörde muss erneut mit Skandalen fertig werden: Astronauten der US-Raumfahrtbehörde Nasa haben sich bei mindestens zwei Gelegenheiten stark alkoholisiert auf den Flug ins All begeben. Für Schlagzeilen sorgt die Nasa auch mit einem anderem Thema: dem ersten Fall von Technik-Sabotage in der US-Raumfahrt.

HB WASHINGTON. Wenige Tage vor dem geplanten Start der Raumfähre Endeavour mussten sichtlich konsternierte Nasa-Vertreter zugeben, dass einem Bericht einer unabhängigen Kommission zufolge in mindestens zwei Fällen US-Astronauten alkoholisiert in den Weltraum gestartet sind. Die stellvertretende Nasa-Verwaltungschefin Shana Dale sprach am Freitag in Washington bei der Vorlage des Nasa-Berichts über „Besorgnis erregende Aspekte“. Ohne nähere Einzelheiten zu nennen, kündigte sie weitere interne Untersuchungen bei der Nasa und eine Verschärfung der bestehender Verhaltensregeln für Astronauten an.

Trotz der Warnungen von Ärzten und Nasa-Mitarbeitern wegen drohender Sicherheitsprobleme sei angetrunkenen Astronauten gestattet worden, mit einer Rakete ins All zu fliegen, heißt es in dem zwölf Seiten langen Nasa-Bericht. Die Astronauten haben demnach trotz eines ausdrücklichen Verbots sogar noch zwölf Stunden vor dem Start „erhebliche Mengen Alkohol“ konsumiert. Die medizinischen Voruntersuchungen von Astronauten zielten nicht darauf ab, gegebenenfalls Alkoholkonsum aufzudecken. Der Nasa-Führung sei von möglichen Problemen mit Alkohol nichts bekannt gewesen, betonte Dale.

Dem gegenüber kommt der Bericht allerdings zu dem Ergebnis, dass sehr wohl leitende Nasa-Mitarbeiter informiert worden seien, diese aber Warnungen ignoriert hätten. Für den Bericht waren nach Nasa- Angaben unter anderem 14 Astronauten und fünf ihrer Angehörigen anonym befragt worden.

Auslöser des jüngsten Skandals sind die Untersuchungen der Nasa über die Hintergründe des Eifersuchtsdramas um die ehemalige US-Astronautin Lisa Nowak. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die 44 Jahre alte Ex-Astronautin der versuchten Entführung ihrer Nebenbuhlerin - der Luftwaffen-Offizierin Colleen Shipman. Während es sich dabei wohl um einen tragischen Einzelfall handelt, signalisiert der jüngste Nasa-Bericht erhebliche Missstände und ein gewisses Lotterleben bei der Nasa. Das werde „die Welt erschüttern“ und eine Kongress-Anhörung werde nicht zu vermeiden sein, zitierte der US- Fernsehsender ABC den pensionierten Nasa-Direktor Seymour Himmel.

„Von betrunkenen Astronauten habe ich noch nie gehört (...), aber natürlich gibt es bei den traditionellen Grillfesten vor einem Start Wein und Bier“, berichtete der Nasa-Arzt Jonathan Clark in einem Interview des US-Senders CNN. Die Astronauten stünden tatsächlich oft „unter einem enormen Stress und leiden oft unter großer Übermüdung“, berichtete Clark. Viele Astronauten, die in den USA den „Status von Rockstars“ hätten, feierten gerne und seien auch für Seitensprünge besonders anfällig.

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