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Nasa-Sonde prallt am 4. Juli auf Kometen

Es wird der Crash des jungen Jahrhunderts: Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 37 000 Stundenkilometern rasen der Komet Tempel 1 und ein kühlschrankgroßes kupfernes Geschoss der US- Weltraumbehörde Nasa aufeinander zu.

dpa WASHINGTON. Es wird der Crash des jungen Jahrhunderts: Mit einer Geschwindigkeit von mehr als 37 000 Stundenkilometern rasen der Komet Tempel 1 und ein kühlschrankgroßes kupfernes Geschoss der US- Weltraumbehörde Nasa aufeinander zu.

Der Aufprall in den frühen Morgenstunden des 4. Juli wird gewaltig. Das nur ein Meter große und 372 Kilo schwere Projektil der US-Raumsonde „Deep Impact“ reißt voraussichtlich einen Krater bis zur Größe eines Fußballstadions und der Tiefe eines 14-geschossigen Hauses in den kartoffelförmigen Kometen. Mit 14 mal fünf Kilometern ist das Crash-Ziel halb so groß wie Bonn.

Aus einer sicheren Entfernung von 8 600 Kilometern sendet die Raumsonde Bilder vom Frontalzusammenstoß zur Erde. Erst 14 Minuten später fliegt sie bis auf 500 Kilometer heran. Ein großer Moment für die Astronomie: Wissenschaftler hoffen, den ersten Blick auf einen freigelegten Kometenkern zu bekommen. Denn nach dem Aufprall sollen Eis, Staub und Gestein von der Außenhaut von Tempel 1 in die Luft schleudern.

Weil diese aufgewirbelten Teile die Sonnenstrahlen reflektieren, strahlt der Komet schlagartig heller. Die Nasa zündet damit pünktlich zum Unabhängigkeitstag der USA in 133 Mill. Kilometer Entfernung von der Erde ein kleines himmlisches Feuerwerk. Das wird an vielen Orten der Welt um 07.52 Mesz mit einem Fernglas zu sehen sein. Astronomie-Foren im Internet empfehlen, ein Gebiet nordöstlich des Sterns Spica im Sternbild Jungfrau abzusuchen. Der „kleine verschwommene Punkt“ sei Tempel 1.

Weil der bevorstehende Crash im Weltall viele besorgte Gemüter auf den Plan gerufen hat, gab die Nasa schon vor dem Aufprall Entwarnung. Danach wird der Komet weder auseinander fallen noch von der Bahn abkommen und in „vorhersehbarer Zukunft“ für die Erde eine Gefahr darstellen. Die Auswirkung des Frontalzusammenstoßes sei so, als ob eine Mücke auf eine Boeing vom Typ 767 pralle, sagt Don Yeomans vom „Jet Propulsion Laboratory“ der Nasa im kalifornischen Pasadena.

Seit dem Start am 12. Januar hat „Deep Impact“ rund 431 Mill. Kilometer bis zum Zielkometen zurückgelegt. Die Nasa benannte ihre Mission nach dem Endzeitfilm „Deep Impact - Der Einschlag“ des Regisseurs Steven Spielberg aus dem Jahr 1998. In dem Film rast ein riesiger Komet auf die Erde zu und versetzt Menschen in Panik.

Die Inszenierung des großen Finales beim Zusammenprall ist nach Nasa-Angaben so schwierig, als ob man eine Kugel in der Luft mit einer anderen treffen wolle und den Zusammenstoß von einer dritten Kugel aus fotografiere. Das Projektil schaltet zwei Stunden vor dem Aufprall vom Auto-Piloten auf seine eigene Navigation um und muss dann selbst Lösungen finden, um Tempel 1 nicht zu verfehlen. Die Kamera des Projektils soll bis 20 Sekunden vor Einschlag senden.

Forschungsleiter Michael A'Hearn von der Universität von Maryland in College Park erwartet von dem Aufprall die bislang spektakulärsten Daten in der Geschichte der Kometenforschung. „Wir wissen so wenig über die Struktur eines Kometenkerns, dass wir praktisch jeden Moment etwas Neues lernen können.“

Der Einschlag soll auch Erkenntnisse zur Entstehung des Sonnensystems bringen. „Da Kometen die Grundbausteine des äußeren Solarsystems erhalten haben, bieten sie Anhaltpunkte über die chemische Struktur, aus der sich die Planeten vor 4,6 Mrd. Jahren herausgebildet haben“, heißt es in dem Nasa-Projekt-Bericht. Die gefrorenen Bälle aus Eis, Gestein und Staub seien die „nicht gar gekochten“ Überreste nach der Formung der Sonne und Planeten.

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