Nasa spricht von einem vollen Erfolg
Riskante Discovery-Reparatur geglückt

In einem riskanten Notfalleinsatz hat der 49-jährige Astronaut Stephen Robinson am Mittwoch die überstehenden Füllstreifen zwischen Hitzeschutzkacheln an der Unterseite der US-Raumfähre „Discovery“ erfolgreich entfernt.

HB HOUSTON/MOSKAU. „Ich halte fest und ziehe. Er kommt sehr einfach heraus. Wunderbar.“ Steve Robinson wird damit in die Raumfahrtgeschichte als erster Astronaut eingehen, der ein Space-Shuttle im Weltall repariert hat. Mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger seines dicken Weltraumhandschuhs entfernte der 49-Jährige die überstehenden Füllstreifen zwischen Hitzekacheln. Am Ende sah die Notreparatur so einfach aus wie das Ziehen einer Kreditkarte aus einem Geldautomaten. „Sie sind sehr einfach herausgekommen, sogar mit weniger Gewalt. Es sieht so aus, als sei der große Patient geheilt“, sagte Robinson am Mittwoch während der Live-Übertragung seines mehr als einstündigen Weltraumeinsatzes.

„Ich war absolut erleichtert. Überall war ein Seufzer der Erlösung zu hören“, sagte Nasa-Einsatzdirektor Paul Hill nach dem Erfolg bei der als historisch bezeichneten Reparatur. Er habe zuvor viele Bedenken gehabt. Alle Mitarbeiter hätten die Hände in die Luft gerissen, sagte die für Weltraumeinsätze zuständige Managerin Cindy Begley. Nach den Worten von Nasa-Manager Mark Ferring war die Notreparatur weit schwieriger als sie am Ende ausgesehen habe. Eine Menge Menschen sei daran beteiligt gewesen, eine „komplexe Choreografie“ für die Reparatur zusammenzustellen.

Von einem Erfolg dieses nie da gewesenen riskanten Notfalleinsatzes hing nicht nur das Leben von Robinson, sondern das der gesamten siebenköpfigen „Discovery“-Crew ab. Das, was sich mehr als eine Stunde lang im Weltall abspielte, glich einem faszinierenden Krimi mit spektakulären Aufnahmen in rund 360 Kilometern über der Erde. Die Nasa erwägt nun einen weiteren Arbeitseinsatz im All am Freitag, bei dem die Astronauten ein hervorstehendes Stück Isolierung nahe des Kommandantenfensters befestigen sollen.

Aerodynamiker der Nasa hatten befürchtet, dass beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an den hervorstehenden Füllstreifen an der Unterseite Turbulenzen entstehen könnten. Als Folge hätte sich der Hitzeschild zusätzlich erwärmt und die Struktur der Hitzekacheln gefährdet. Aus Furch vor einer ähnlichen Katastrophe wie bei der verunglückten Raumfähre „Columbia“ vor zweieinhalb Jahren wollte die Nasa jegliches Risiko für die Hitzekacheln an dem besonders beanspruchten Bauch der „Discovery“ ausschließen.

Das größte Sicherheitsrisiko für die Rückkehr der Raumfähre mit den sieben Besatzungsmitgliedern an Bord ist damit erfolgreich beseitigt worden. Mit Erleichterung reagierte die NASA auch auf Testergebnisse, wonach die Kanten der Flügel der Raumfähre nicht beschädigt worden sind. Dafür trat überraschend ein neues Problem mit einem beschädigten Teilstück zum Hitzeschutz in der Nähe eines Fensters auf. Bis Donnerstag soll nach den Worten des stellvertretenden Programmmanagers Wayne Hale eine Risikoanalyse vorliegen.

Vor der Notreparatur hatten Robinson und der japanische Astronaut Soichi Noguchi an der Außenwand der Internationalen Raumstation ISS erstmals auch ein Stück deutscher Spitzentechnologie angebracht. Es handelt sich dabei um eine externe Nutzlastpalette, die von der EADS Space in Bremen entwickelt wurde. Die „Europalette für den Weltraum“ soll für 15 Jahre an der Außenwand der ISS bleiben. Damit können erstmals alle Werkzeuge und Ersatzteile für den weiteren Ausbau der Station außerhalb der ISS gelagert werden. Die Palette ist eine große Arbeitserleichterung, weil die Werkzeuge und besonders kritischen Ersatzteile für die Astronauten bei Weltraumeinsätzen immer greifbar sind.

Die halbstündige Verzögerung zu Beginn des Weltraumeinsatzes machten die beiden Astronauten bei ihrem insgesamt dritten Ausstieg ins All in der Folge wieder wett.

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