Forschung + Innovation
Nasenspray mit körpereigenem Hormon steigert Vertrauen

Zürich/London (dpa) ­ Schweizer Forscher haben ein Nasenspray entwickelt, das Vertrauen in andere Menschen steigert. Nachdem Versuchspersonen an der Mixtur mit dem körpereigenen Hormon Oxytocin geschnüffelt hatten, waren sie eher dazu geneigt, Geld an einen Treuhänder zu übergeben.

Zürich/London (dpa) ­ Schweizer Forscher haben ein Nasenspray entwickelt, das Vertrauen in andere Menschen steigert. Nachdem Versuchspersonen an der Mixtur mit dem körpereigenen Hormon Oxytocin geschnüffelt hatten, waren sie eher dazu geneigt, Geld an einen Treuhänder zu übergeben.

Das berichtet die Gruppe um Michael Kosfeld von der Universität Zürich im britischen Fachblatt „Nature“ (Bd. 435, S. 673) von diesem Donnerstag. Ein Missbrauch dieser Erkenntnisse sei nicht ausgeschlossen, sie könnten aber auch Menschen mit Bindungsschwierigkeiten wie etwa Autisten helfen, schreiben die Wissenschaftler.

Für ihre Untersuchung ließen die Forscher Studenten Geldgeschäfte miteinander tätigen: Dabei übergab jeweils ein „Investor“ eine von ihm gewählte Geldsumme an einen „Treuhänder“. Der Spielleiter verdreifachte diese Summe. Dem Treuhänder stand es anschließend frei, wie viel er von dem Geld an den Investor zurückzahlte. Mit dieser Situation hatten die Wissenschaftler für den Investor ein Dilemma geschaffen: Egal wie er sich verhält, er liefert sich dem guten Willen des Treuhänders aus. Investiert er viel Geld, steigen zwar die Chancen, viel zurückzubekommen, andererseits steigt aber auch das Risiko hoher Verluste.

Einige der Investoren bekamen vor Beginn des Spiels das Oxytocin- Spray in die Nase verabreicht. Es zeigte sich, dass diese Spieler insgesamt mehr Geld investierten als jene, die nur eine unwirksame Substanz bekamen. Das Vertrauen in ihr Gegenüber war also gestiegen. Das Hormon entfaltete seine Vertrauen einflößende Wirkung jedoch nur, wenn es um zwischenmenschliche Kontakte ging: Spielten die Investoren mit einem Computer, unterschied sich ihr Vertrauensverhalten nicht von der Kontrollgruppe. Das Hormon erhöhe nicht einfach die Risikofreudigkeit, betonen die Forscher.

In einem weiteren Experiment zeigten die Wissenschaftler, dass das Verhalten der Treuhänder nicht durch das Hormon beeinflusst wird. Scheinbar helfe das Oxytocin, Situationen zu überwinden, die das Vertrauen erschweren, etwa die Angst vor einem Betrug.

Sicherlich werde diese Untersuchung bei einigen die Befürchtung wecken, dass etwa Politiker die Vertrauen einflößende Wirkung des Hormons missbrauchen könnten, schreibt dazu der amerikanische Neurologe Antonio Damasio von der Universität von Iowa. Allerdings stimulierten gut gemachte, herkömmliche Marketingstrategien möglicherweise ebenso gut die natürliche Freisetzung des Hormons.

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